Spanisch (neu) entdecken

Als ich an der ISM aufgenommen wurde, wusste ich natürlich, dass die internationale Ausrichtung auch Fremdsprachenkenntnisse erfordern würde. Da ich in der Schule neben Englisch lediglich Latein gelernt hatte, wollte ich für das Studium mit Spanisch anfangen. Die ISM bietet dafür einen vorbereitenden Intensivkurs für Neueinsteiger an. Also auch für Kandidaten wie mich, deren Spanischkenntnisse sich zu diesem Zeitpunkt noch auf ein wackliges „hola“ und „gracias“ beschränkten.

Natürlich freute ich mich über die Möglichkeit, ganz bei null anfangen zu können. Doch bei der Aussicht auf die geforderten 120 Unterrichtseinheiten (1 UE = 45 Minuten) und einem zweiwöchigen Intensivprogramm vor dem Semester hatte ich schon ein mulmiges Gefühl. Kann man in zwei Wochen eine neue Sprache lernen? Würde ich ohne jegliches Vorwissen mithalten können? Reicht der Vorkurs für den Anschluss an das erste Semester aus? Mit diesen Gedanken startete ich ein wenig verhalten in den Alltag als ISM-Studentin.

Gestartet sind wir mit einer Vorstellungsrunde der 16 Kursteilnehmer auf Spanisch. Es wurden reihum mal mehr mal weniger holprig „me llamo…“ (ich heiße) und „yo soy de…“ (ich komme aus) wiederholt.

Sehr schnell folgten dann die größeren Hindernisse: Grammatik und Aussprache. Unser Dozent klärte uns früh über die richtigen Betonungen auf. Beispielsweise muss der spanische Buchstabe „ll“ wie das deutsche „j“ klingen, was in vielen geläufigen Begriffen wie Mallorca, Paella oder Sevilla vorkommt. Nach den ersten Startschwierigkeiten haben wir diese Hürden aber schnell gemeistert, auch dank der vielen Bezüge zur englischen Sprache und dem schon nutzlos geglaubten Latein.

Wie sich schnell herausstellen sollte, waren meine anfänglichen Sorgen, nicht mitkommen zu können, vollkommen unbegründet. Der Dozent ging auf jeden Einzelnen ein und sorgte dafür, dass alle auf dem gleichen Stand blieben. Auch wenn wir mit hohem Tempo durch die Lektionen rasten, konnten wir mit etwas Lernaufwand leicht am Ball bleiben.

Nachdem die intensiven Tage überraschend schnell vergingen, konnte ich nach einer Woche schon auf die ersten Erfolge zurückblicken. Ich war in der Lage, mich selbst frei auf Spanisch vorzustellen und kleine Texte zu verfassen. Dazu kam ein stetig wachsendes Vokabular, das gespickt war mit wirtschaftlichen und internationalen Begriffen. So lernten wir neben den typischen Einstiegsvokabeln (Zahlen, Monate, Farben…) schon früh Branchenbezeichnungen, Berufe und Nationalitäten.

In der zweiten Woche wagten wir uns dann an Reflexivpronomen, Ortsangaben, Dativ- und Akkusativobjekte und auch an das Pretérito Perfecto – die erste Vergangenheitsform. Am Ende fühlte ich mich schon erheblich sicherer und gewappnet für das erste Semester mit Spanisch-Vorlesungen.
Grundsätzlich waren wir auch hier immer nur eine kleine Gruppe und die persönliche Atmosphäre ist uns erhalten geblieben. Am Ende des Semesters präsentierten wir als Teil der Abschlussprüfung alleine oder zu zweit ein Unternehmen unserer Wahl vor dem Kurs. Gemeinsam mit einer Kommilitonin bereitete ich den Disney-Konzern vor und war überrascht von der Vielfalt des Unternehmens. Dabei schmunzelten wir häufig auch über die spanischen Namen von bekannten Filmen wie Schneewittchen und die sieben Zwerge, das auf Spanisch zu „Blancanieves y los siete enanitos“ wurde. Vor der Prüfungsphase fanden wir uns außerdem noch einmal für eine Woche mit dem ursprünglichen Vorkurs zusammen. Dann gingen wir sämtliche Themen des Semesters gemeinsam durch und übten für die schriftliche Klausur.

Meine persönliche Bilanz nach dem ersten Semester: drei Wochen Intensivkurs, eine Vorlesungsreihe Spanisch, eine Unternehmenspräsentation auf Spanisch, eine erfolgreich bestandene Prüfung und die fortwährende Begeisterung für die Sprache. Und mein Rat für alle, die überlegen, sich mit dem Studienstart an eine neue Fremdsprache zu wagen: mit Motivation und Lernbereitschaft ist das absolut machbar. Außerdem ist es eine tolle Chance, später einmal in neue Kulturen einzutauchen, vielleicht sogar schon im ersten Auslandssemester. In diesem Sinne wünsche ich allen Interessenten viel Spaß und Durchhaltevermögen beim Spanisch lernen und entdecken.

Autor: Mijka Ghorbani