Staatliche vs. private Hochschule – Eine Entscheidung für das Klischee

Mein Plan, „irgendetwas mit Medien“ zu machen, stand schon lange für mich fest. Da wurde ich im Internet auf einen Studiengang aufmerksam: Kommunikation und Marketing, kombiniert mit betriebswirtschaftlichen Fächern, ein integriertes Auslandssemester, alles sehr praxisbezogen und das auch noch in meiner Traumstadt München – das klang wie das perfekte Studium für mich.Doch dann kam der Haken: es handelte sich um eine private Hochschule.

„Privat? Lieber nicht, voll snobby“, sagten viele, denen ich von meinen Plänen erzählte. Außerdem sei das nicht gerne gesehen, hieß es. Lieber vernünftig BWL an einer staatlichen Universität studieren als so einen „Schmalspurstudiengang“. Ich war verunsichert. War das tatsächlich die Wahrheit? Ich wollte nicht sofort in eine Schublade gesteckt werden, bloß weil ich mich für eine Private entschieden hatte. Vor allem hatte ich nach 13 Jahren Schule keine Lust mehr auf Anwesenheitspflicht und ein verschultes System.

Schließlich entschied ich mich bewusst gegen die ISM und als die Zusage von der LMU München für den Studiengang BWL kam, fühlte ich mich überglücklich.

Ich fand schnell Anschluss und war anfangs begeistert vom Unileben. Die Kommilitonen waren nett und München gefiel mir super – leider fiel mir irgendwann auf, dass all’ das, was ich so toll fand, nichts mit dem eigentlichen Studium zu tun hatte. Hinzu kam, dass ich feststellte, das BWL tatsächlich ein sehr trockener Studiengang für einen kreativen Kopf ist. Plötzlich fühlte ich mich meilenweit von meinem ursprünglichen Berufswunsch entfernt.

Außerdem wurde es den Studenten auch echt nicht leicht gemacht, sich gut zurechtzufinden: kein aktiver Dialog mit den Professoren, überfüllte Räume, selbst in dem riesigen Audimax musste man mindestens eine halbe Stunde vor Vorlesungsbeginn da sein, um nicht stehen zu müssen. Nach Monaten kannte ich kaum die Hälfte der Gesichter des Studiengangs, was bestimmt nichts mit meiner mangelnden kommunikativen Art zu tun hatte. Logisch, dass die Professoren auch nicht mal ansatzweise die Namen der Studenten kannten, aber wie auch, bei 600 Studenten?

Ich merkte, ich musste umdenken, und bewarb mich bei der ISM. Nach nun fast einem Jahr Studium an der ISM weiß ich, dass es die richtige Entscheidung war, zu wechseln. Ich denke, dass ich jetzt schon sehr viel in meinem Studium gelernt habe. Die Interaktion mit den Professoren, die praxisbezogenen Studiengänge und auch die familiäre Atmosphäre durch die kleinen Gruppen vereinfachen das Lernen. Man wird gefordert, aber eben auch gefördert, und ich empfinde das Lernen als viel zielgerichteter und bewusster. Hier hat jeder Student ein Gesicht und einen Namen und nicht bloß nur eine Matrikelnummer. Außerdem kann ich endlich sagen, dass ich gerne zur Uni gehe, weil mir mein Studium Spaß macht.

Autor: Julia Hinrichs