Bachelor-Thesis: Die Kunst der andauernden Selbstmotivation

Alle Klausuren sind geschafft und man hat nur noch eine große Hürde bis zum lang ersehnten Abschluss vor sich: Die Bachelor-Thesis. Zunächst ist das eine ganz besondere Art der Motivation. Was kommt nach meinem Abschluss? In welche Branche treibt es mich? Wer wird mein Arbeitgeber? Studiere ich weiter und mache meinen Master? In welche Stadt wird es mich verschlagen?

Hunderte von spannenden Gedanken, die mir durch den Kopf gehen. Doch sind es nicht gerade diese vielen Gedanken über die Zukunft, die vom Verfassen der Thesis ablenken? Es wartet so viel auf mich nach dem Abschluss, dass das Schreiben eine untergeordnete Rolle in den Gedanken spielt. Doch die Reihenfolge sollte genau andersherum sein. Ich muss mir immer wieder verdeutlichen, dass sich ohne eine gute Abschlussarbeit keine Antworten auf die vielen Fragen finden lassen. Die Realität kann mir aber auch wirklich die schönsten Gedanken kaputt machen!

Ständig neue Motivation, besonders am Anfang, ist eine Herausforderung. Ich habe gerade erst mit der Thesis begonnen und es ist noch so viel zu tun. Denke ich jetzt in Kapiteln? Ja, das tue ich! Ich versuche mir Etappenziele zu setzen. Das motiviert natürlich beim Schreiben. Reicht das aus? Nein, das tut es natürlich nicht. Es sind andere Arten der Motivation gefragt. Selbstverständlich ist die klassische Belohnung immer eine gute Idee. „Wenn ich bis 15 Uhr mit dem Absatz fertig bin, gönne ich mir etwas Schönes!“ oder „Wenn ich heute das Kapitel schaffe, kann ich heute Abend mit meinen Freunden ins Kino!“ Belohne ich mich auch, wenn ich die selbst gesteckten Ziele nicht erreiche? Na selbstverständlich! Anders halte ich das monatelange, monotone am Schreibtisch sitzen nicht aus. Macht man mal einen Tag frei? Natürlich, gerne auch mal drei! So zieht sich das bestimmt die ersten zwei Monate hin…

Zwischen Literaturrecherche und den ersten geschriebenen Seiten findet sich genug Ablenkung. Doch dann kommt irgendwann dieser eine Moment, den jeder kennt. Es sind nur noch ein paar Wochen bis zur Abgabe. Wo stehe ich gerade? Ich bin vielleicht gerade mal bei der Hälfte, muss noch die eine oder andere Quelle lesen, da ich komischer Weise viel zu viele Internetquellen habe. Ab diesem Zeitpunkt ist eine gehörige Portion Motivation auf einmal da – sie nennt sich Druck. Ich konzentriere mich stärker, sage Verabredungen ab, schreibe richtig gute Absätze, finde gute Quellen und Grafiken. Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich geleistet habe. Das hält definitiv ein paar Tage an. Darauf folgt meistens wieder eine kleine Entspannungsphase, in der ich mir sehr oft sage: ,,Siehst du, du kannst das richtig gut. Es läuft. Wenn du so weiter machst, hast du es in vier Tagen geschafft.’’ Ein Trugschluss. Die folgenden Tage befasse ich mich oft mit weiterer Literatur, lese auch gerne mal Sachen, die überhaupt nichts mit der Arbeit zu tun haben. Es ist äußerst interessant, wie ich mich während des Verfassens der Thesis auch in anderen Bereichen bilde oder informiere. Dieses Up and Down zwischen Motivation durch Zeitdruck und ,,es gibt so viele interessante YouTube Videos’’ zieht sich bis zu dem Tag, an dem das Ende des letzten Kapitels naht und ich mich an das Fazit mache. Die Zieleinfahrt, ein tolles Gefühl und die beste Motivation, die ich mir vorstellen kann. Ich beende die Thesis mit einem sehr guten Gefühl, bin stolz auf das, was ich geschafft habe. Ich überfliege meine Arbeit, denke an den Moment der Abgabe und der Notenverkündung. Ich freue mich auf die Zeit danach. Doch wie ein Blitz zerschlägt ein stressiger Gedanke alle schönen und entspannten Zukunftsvorstellungen: ,,Es sind noch ein paar Tage bis zur Abgabe und ich muss meine Thesis noch Korrektur lesen lassen. Wer macht das? Hätte ich mich da mal eher drum gekümmert! Binden muss ich die Thesis ja auch noch…!’’

So fängt die ganze Geschichte wieder von vorne an. Bis man – wie das ganzes Studium lang – am Ende doch alles irgendwie geschafft hat.

Autor: Kay Schulte