Medienluft schnuppern bei Rhein-Main TV

TV-Moderator als Traumberuf? Später mal beim Fernsehen arbeiten und die Nachrichten moderieren? Wie ist das wohl, täglich im Fernsehstudio vor der Kamera zu stehen?

Um Antworten auf diese Fragen zu finden, entschied ich mich gemeinsam mit drei weiteren Kommilitonen für das Wahlmodul „Public Relations und Wirtschaftsjournalismus“ innerhalb meines Marketing-Studiums an der ISM Dortmund. Das Modul beinhaltet neben Vorlesungen zum Thema „Journalistische Produktion“ auch ein professionelles Medientraining. Dabei dürfen wir Studenten den Beruf des TV-Moderators einen Tag lang ausprobieren und einen Einblick in den Alltag in einem Fernsehstudio bekommen.

Im Mai war es dann so weit: Unser Kurs machte sich auf den Weg nach Mörfelden bei Frankfurt am Main, wo wir uns mit den ISM-Studenten der verschiedenen Standorte beim Fernsehsender Rhein-Main TV für das bevorstehende Medientraining trafen. Unser Dozent Carsten Meyer, TV-Moderator und Journalist, begleitete uns. Er hatte uns im Vorfeld bereits wertvolle Tipps für den Ernstfall mit auf den Weg gegeben: „Sobald ihr vor der Kamera steht, müsst ihr präsent sein. Atmet ruhig, sprecht langsam und deutlich, konzentriert euch, aber bleibt locker. Nervosität kann man vor der Kamera nicht gut gebrauchen. Wenn trotzdem mal etwas schief gehen sollte, macht einfach so weiter als wäre nichts passiert.“ Wird schon nicht so schwierig sein, man muss ja nur etwas vom Bildschirm ablesen und nett in die Kamera lächeln – dachten wir uns – und gingen die ganze Sache gelassen an.

Zunächst stand das Einzeltraining auf dem Programm. Jeder von uns bekam die Aufgabe, die Tagesthemen zu sprechen. Doch bevor es überhaupt losgehen konnte, wurden wir im Greenbox Studio, dem virtuellen TV-Studio, mit einem Mikrofon verkabelt und mit der Technik im Nebenraum vernetzt. Dann wurde es ernst: Scheinwerferlicht an, Kamera an, Totenstille. Nur das rote Blinken der Kamera. Nervosität machte sich breit. Wie war das nochmal? Ruhig atmen? Locker bleiben? Gar nicht mal so einfach, wenn man plötzlich im Mittelpunkt steht, alle Augen auf einen gerichtet sind und die Hitze durch das Scheinwerferlicht im nicht klimatisierten TV-Studio auf einmal unerträglich scheint. Gut, dass wir vor unserem Auftritt noch einmal kurz abgepudert worden waren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten und nervösen Versprechern klappte das Ablesen vom Teleprompter jedoch unerwartet gut und so langsam gewöhnte man sich an die doch etwas unvertraute Situation vor der Kameralinse. Die Moderation der aktuellen Tagesthemen, des Sportteils und des Wetters meisterten wir – für den Anfang zumindest – ganz gut. Nach einer wohlverdienten Mittagspause ging es mit der Simulation einer Live-Talkshow weiter. Hierfür wurden wir in Gruppen eingeteilt und durften, mit tatkräftiger Unterstützung unseres Dozenten, eine Sendung der Talkshow von Maybrit Illner Sendung nachstellen. Dabei war vor allem eins gefragt: Improvisation! Kein Skript, kein Teleprompter, nur ein Mikrofon und die Talkshow-Gäste, die auch noch alle zu Wort kommen wollten. Als Moderator eine ganz schöne Herausforderung!

Am Ende des Tages waren wir sehr geschafft. Für uns ISM’ler aus Dortmund stand jetzt noch die Heimfahrt ins Ruhrgebiet an. Als einige Tage darauf die Auswertung unserer Videoaufzeichungen in der Vorlesung anstand, gab es viel zu lachen. Versprecher, Lachanfälle und überschnelles (rekordverdächtiges) Ablesen vom Teleprompter machten diese Vorlesung zu einer der lustigsten des Semesters. Der Tag in Frankfurt hat sehr viel Spaß gemacht und wir haben einiges vom Medientraining mitnehmen können. Vor allem eins: Als TV-Moderator gehört sehr viel mehr dazu als nur vom Bildschirm abzulesen. Ein hohes Maß an Selbstbeherrschung, Disziplin, Improvisationstalent und eine gute Portion Selbsthumor auf jeden Fall auch.

Autorin: Carolin Cornelissen