Online-Reputation-Management: Die Identität im Netz

Der ALumni EXchange (ALEX) Day 2015 am Campus Dortmund stand ganz unter dem Thema Karrier-echancen und Networking. Bei den Vorträgen und Gesprächen wurde uns schnell klar, dass Social Media-Aktivitäten längst fester Bestandteil der heutigen Jobsuche sind. Umso mehr stellte sich die Frage nach unserer eigenen virtuellen Identität. In ihrem Vortrag präsentierte Birgit Klaus von Karrierekontor Klaus die verborgenen Risiken der sozialen Plattformen und erläuterte die Chancen von Karrierenetzwerken. Doch welche Bedeutung hat das digitale Ich für Personaler? Wie viele Informationen sind tatsächlich öffentlich zugänglich? Und gibt es Möglichkeiten, meinen Ruf im Netz positiv zu beeinflussen?

In einer Studie von Bitkom Research/Aris gaben 46% der Personaler an, sich die Webpräsenz potenzieller Bewerber in sozialen Netzwerken anzuschauen. Gerade das größte Netzwerk Facebook macht es HR-Verantworlichen einfach, mit der Standard-URL face-book.com/vorname.name, die richtigen Personen ausfindig zu machen. Daneben ist die klassische Google-Suche eine sehr kostengünstige Möglichkeit, Informationen und Qualifikationen zu verifizieren. Spezielle Personalsuchmaschinen wie Yasni eröffnen der Öffentlichkeit sogar einen Blick in sämtliche Online-Aktivitäten, von den Profilbildern bis hin zu Erwähnungen in Artikeln. Sie greifen ebenfalls auf den Wunschzettel bei Amazon zurück und legen private Einkäufe offen, insofern die Sichtbarkeit-Einstellungen nicht bewusst geändert werden. Wenn Ihr selbst dort ein Profil anlegt, könnt Ihr aber die Ergebnisse kontrollieren und reaktionsfähig bleiben. Ist es also vielleicht besser, sich aus dem Web 2.0 zurückzuziehen? Nicht unbedingt, denn gerade für Technologie- und Kommunikationsunternehmen ist es wichtig, dass ihre Mitarbeiter im Netz auffindbar sind und sich gut auskennen.

Die allgemeinen Suchergebnisse sind schwieriger zu beeinflussen, da Informationen selten ganz aus dem Internet verschwinden. Aber indem Ihr Profile sorgfältig behandelt und beispielsweise auf Nachrichtenseiten oder in Foren aktiv werdet, könnt Ihr Euch in ein besseres Licht rücken. Außerdem gibt es Angebote, digitale Visitenkarten (about.me) anzulegen. Diese kann auch eine gepflegte Seite in sozialen Netzwerken sein. Dabei ist es jedoch wichtig, das jeweilige Medium genau zu untersuchen. Denn während Facebook oder Twitter lieber im Privaten bleiben sollten, könnt Ihr XING und das internationale Pendant LinkedIn ausschließlich als Berufsnetzwerke aufbauen.

Insbesondere XING ist mit über 9 Millionen Nutzern im deutschsprachigen Raum eine interessante Plattform für Unternehmen aller Größen. Die aktive Jobsuche lässt sich über die Kategorien „Ich biete/suche“ gezielt steuern, da damit auch Suchmaschinenergebnisse generiert werden. Darüber hinaus bietet XING Euch selbst passende Stellen an. Professionals sollten aber darauf achten, wie Arbeitgeber und Kollegen reagieren könnten, sobald sie ihre „Karrierewünsche“ ändern oder plötz-lich sehr aktiv ihr Profil bearbeiten. Daneben lässt sich die Selbstpräsentation über Interessenanga-ben, Projekte und Events wirkungsvoll beeinflussen. Es gibt auf XING und LinkedIn eine große Zahl an Diskussionsgruppen und Publikationen, die Euch nicht nur wertvolle Tipps liefern, sondern vielmehr Interesse und Engagement betonen.

Die Online-Reputation ist heute also schon ein gewichtiger Faktor bei Bewerbungen und bietet gleichzeitig Chancen, positiv aufzufallen. Die zunehmende Bedeutung von Karrierenetzwerken zeigt, wie wichtig der souveräne Umgang mit den eigenen Informationen ist. Ich habe deshalb die wichtigsten Punkte von Birgit Klaus für Euren gelungenen Einstieg ins Online-Networking zusam-mengefasst:

1. Bearbeitet Euer Profil dauerhaft
Versteht das Profil als Lebenslauf, den Ihr immer wieder aktualisieren und abstimmen müsst, wobei Ihr auf ein gewisses Gleichgewicht zwischen den Rubriken Wert legen solltet. Gerade wenn Ihr Einstellungen nur selten überprüft oder das Profil plötzlich aktualisiert wird, kann dies einen schlechten Eindruck machen.

2. Überprüft die Privatsphäre-Einstellungen
Achtet immer darauf, die Sichtbarkeit Eurer Kontakte und gerade des Aktivitätenprotokolls zu überprüfen. Zwar ist die Außenwirkung von engagierten Gruppendiskussionen grundsätzlich positiv, eine übertriebene Beteiligung kann aber auch den Eindruck „künstlichen“ Bemühens vermitteln.

3. Zeigt, was Ihr bieten könnt
Arbeitet mit prägnanten Schlagwörtern, die auch als Sucheingaben dienen könnten. Im Gegensatz zur gezielten Bewerbung solltet Ihr Euch so breit wie möglich aufzustellen, um verschiedenen Unternehmen und Organisationen Kontaktpunkte zu liefern.

4. Macht Suchende auf Euch aufmerksam
Nutzt das Angebot von XING über Karrierewünsche auf Stellenangebote hingewiesen zu werden und besser von suchenden Personalern gefunden zu werden. Oder sucht selbst auf der Plattform – der XING-Service Jobbörse.com ist mit 2,5 Millionen Stellenangeboten die größte Jobsuchmaschine im deutschsprachigen Raum.

5. Fangt früh an, Kontakte zu knüpfen
Es geht nicht darum, das größte Netzwerk überhaupt aufzubauen, sondern von Beginn an mit ehe-maligen Kollegen oder Kommilitonen in Verbindung zu bleiben. Und die meisten Mitglieder reagieren sehr freundlich und hilfsbereit, wenn Ihr im Vorfeld neue Kontakte zu Unternehmen knüpfen möchtet.

Autor: Mijka Ghorbani