„Unheimlich viel zu erleben“ – Auslandssemester in Südafrika

Vivian Belz studiert im Master-Studiengang Strategic Marketing Management an der ISM und hat das letzte halbe Jahr an der Stellenbosch University (USB) in Südafrika verbracht. Im Gespräch berichtet sie von ihren Erlebnissen und Erfahrungen.

IMG_5026Die ISM hat über 170 Partnerhochschulen in der ganzen Welt. Du hast dich für ein Auslandssemester an der Stellenbosch University entschieden. Warum gerade Südafrika?

Ich habe mich dazu entschieden, nach Südafrika zu gehen, da es einfach mal etwas Anderes war – ein ganz anderes Land, ein ganz anderer Kontinent und ein Ort, an dem ich noch nicht war. Zudem wollte ich mein Auslandssemester unbedingt außerhalb Europas verbringen. Und ein Studium in Stellenbosch, ganz in der Nähe von Kapstadt? Das schien mir perfekt! Außerdem war mir der Ruf der Uni sehr wichtig, weshalb die USB auch hier eine gute Wahl war – denn die Stellenbosch University ist eine der besten Universitäten des Landes mit dreifacher Akkreditierung.

Über 10.000 Kilometer und gut 20 Flugstunden trennen Deutschland und Südafrika. Hast Du besondere Vorbereitungen für Deinen Auslandsaufenthalt getroffen?

Zuerst habe ich mit einem ISM-Studenten gesprochen, der sein Auslandssemester ebenfalls an der USB verbracht hat. Er konnte mir einige Tipps geben und ein wenig von seinem Aufenthalt in Südafrika erzählen. Im Vorfeld habe ich mich mit den anderen Gaststudenten bei Facebook vernetzt. Dort habe ich eine Gruppe für uns alle gegründet, sodass wir schon im Voraus in Kontakt treten konnten. Anfang Juli haben wir uns dann in einem Hostel in Kapstadt getroffen, um gemeinsam vor Ort nach einer Wohnung zu suchen.

IMG_3041Was hat Dir an Deinem Studium in Südafrika gefallen? Und wie ist das Studium im Vergleich zu Deutschland?

In Afrika läuft alles weit entspannter und spontaner ab, es wird weniger geplant und organisiert. So kann es eben mal passieren, dass eine Vorlesung ausfällt aber man erst davon erfährt, wenn man schon mit aufgeschlagenen Unterlagen im Klassenraum sitzt und vergeblich auf den Dozenten wartet. Sehr gut gefallen hat mir die Orientierungswoche für uns Gaststudenten. Hier wurden einige Ausflüge für uns organisiert, unter anderem Weinproben, ein Tag am Kap der Guten Hoffnung oder ein Ausflug zur Pinguinkolonie. Die Koordinatoren der USB haben sich größte Mühe gegeben und waren auch während des gesamten Semesters immer für uns da und hatten – egal, worum es ging – ein offenes Ohr für unsere Probleme und Anliegen. Weiterhin empfand ich die Mischung der Leute meines Kurses als sehr besonders und spannend. Wir Auslandsstudenten wurden in einen MBA-Kurs gesteckt, womit wir deutlich zu den jüngeren Studenten des Semesters gehörten. Die MBAler kamen hierbei aus den verschiedensten Ländern, neben Südafrika zum Beispiel aus Kenia oder Namibia. So studierten wir mit Menschen verschiedenster Nationen, verschiedenster Ethnien und Religionen und verschiedensten Alters, was das Studium an der USB einmalig gemacht hat.

IMG_1353Was hast Du in Deiner Freizeit unternommen?

In Kapstadt und Stellenbosch gibt es unglaublich viel zu erleben. Deshalb bestand meine Freizeit hauptsächlich darin, draußen zu sein und so viel wie möglich von Südafrika aufzusaugen.

In Stellenbosch warten mehr als 100 Weingüter, die entdeckt werden wollen. Wunderschöne, endlos weite Weinberge, tolle Restaurants und eine süße, kleine Innenstadt mit einigen Cafés, Clubs und Souvenir-Läden. Zudem war ich jeden Dienstag zum Volunteering in einer Primary School, wo wir mit den Kindern gespielt haben.

Was hast Du noch alles vom Land Südafrika gesehen?

Nachdem wir Kapstadt und Stellenbosch entdeckt hatten, ging es die Garden Route an der Südküste entlang bis nach Port Elizabeth oder entlang der Westküste nach Paternoster bis hoch nach Namaqualand, wo im Frühling Felder voller Blumen blühen. Und als auf dem Stundenplan ab und zu nur wenige oder sogar gar keine Vorlesungen standen, sind wir weiter gereist: nach Johannesburg und in den Krüger Nationalpark, weiter bis nach Swaziland, nach Durban und von dort die Ostküste entlang sowie in die Drakensberge bis nach Lesotho. Zuletzt bin ich nach Vorlesungsende für drei Wochen durch Botswana und Namibia gereist, angefangen an den Victoria Falls in Simbabwe. Man kann also sagen, dass wir sehr, sehr viel gereist sind, jedes lange Wochenende ging es wieder los, um neue Orte zu entdecken. Und auch nach sechs Monaten in Südafrika gibt es noch immer einige Orte, zu denen ich es nicht geschafft habe. Wie schon gesagt – Südafrika hat unfassbar viel zu bieten!

IMG_8288Wie war das Leben vor Ort – insbesondere im Hinblick auf kulturelle Unterschiede?

Ich liebe das Klima, die Kultur, die Menschen. Südafrikaner sind voller Lebensfreude, immer gut drauf und freundlich, stets an einem interessiert. „How are you?“ und „Where are you from?“ sind wohl die am meist gehörten Fragen meines Auslandssemesters. Man kommt schnell ins Gespräch und wird aufgenommen als hätte man schon immer in das Land gehört. Kapstadt ist eine tolle, lebenswerte Stadt, eine Großstadt mit großer Vielfalt, Nachtleben und Kultur – umgeben von Bergen, Meer und einer viel scheinenden Sonne. Kurzum: Kapstadt hat alles, was man braucht. In der Kultur spielen Familie und Freunde eine wichtige Rolle. Spaß und Lebensfreude haben erste Priorität. Südafrikaner sind gut drauf, freundlich, man könnte fast sagen sie tanzen durch die Gegend, anstatt wie in Deutschland zu hetzen. Alles ist deutlich entspannter und somit auch langsamer, man macht sich keine Sorgen was morgen kommt, sondern genießt das Heute. Das habe ich auch im Auslandssemester gelernt: entspannter zu leben und mir weniger Gedanken über das, was kommt zu machen. Ich akzeptiere Dinge, wie sie sind und nehme es leichter, wenn etwas mal schiefgeht.

Hast Du Tipps für Studenten, die auch nach Südafrika gehen?

Wer nach Südafrika geht, sollte sich der möglichen Gefahren des Landes bewusst sein. Zwar erzähle ich durchweg positiv von Südafrika, jedoch muss man wissen, dass man sich nicht überall aufhalten kann, dass man stets auf sich selbst und seine Sachen wie z.B. Handy und Portemonnaie aufpassen muss, und dass man deutlich weniger frei ist als hier in Deutschland. Das bedeutet, dass man auch für kurze Distanzen das Auto nimmt oder im Dunkeln je nach Gegend nicht mehr als ein paar Meter zu Fuß geht. Ist man sich all dessen bewusst und ist vorsichtig, lebt es sich prächtig in Südafrika. Ich habe sechs Monate dort gelebt und mir ist nichts passiert, weder wurde ich überfallen noch wurde mir etwas gestohlen. Ein weiterer Tipp: es macht Sinn, erst vor Ort nach einer Unterkunft zu suchen. Am besten mit den anderen Austauschstudenten zusammentun.

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Autor: Katharina Busse