Totschlag durch Roboter – Der Industrie 4.0 auf der Spur

Sie sind die Musterknaben der „smart factory“. Industrieroboter arbeiten schnell, effektiv und geräuschlos. Doch was, wenn das Vorzeigefabrikat ausflippt? Immer wieder kommen in der Produktion Arbeiter durch die Interaktion von Mensch und Maschine ums Leben. Die Ermittler müssen dann nachweisen: Konstruktions-, Fabrikations- oder Instruktionsfehler?

Der Tatbestand

Wenn bei einem Unfall Autos Signale senden, um über die Gefahrenstelle zu informieren und Bauteile eigenständig mit der Produktionsanlage kommunizieren, dann sprechen Wirtschaftsexperten von Industrie 4.0. Digitalisierung und die intelligente Vernetzung von Mensch, Maschine und Produktionsprozessen sind ihre Erkennungsmarkmale. In Deutschland scheuen sich die Unternehmen noch davor, Digitalstrategien und neue Geschäftsmodelle zu definieren. Wie groß ist unsere Bereitschaft, auf Veränderungen zu reagieren? Mit dieser Frage gab Prof. Dr. Ralf Kreutzer, Digitalexperte und Hochschullehrer an der HWR Berlin, den Anstoß für die Ermittlungen im Fall Industrie 4.0.

Die Ermittler

Studierende der ISM Dortmund, die sich ein Jahr lang intensiv auf den Fall vorbereitet haben. Das Führungsduo Felix Kuhn und Manuel Brinkmann hat ein Team zusammengestellt, das in alle Richtungen ermittelt: Marketing, Akquise, Finanzen und Eventmanagement.

Die Verdächtigen

Ins Visier der Ermittler sind elf Referenten geraten, deren Motive unterschiedlicher nicht sein könnten. Prof. Dr. Michael Benz von Teradata geht es um die Daten. Sein Motiv „Who owns the data, owns the business“. Dr. Volker Schäffer von Seeburger  arbeitet unter anderem an intelligenten Container, die bereits bei der Verschiffung über den Reifegrad von Obst und Gemüse informieren. Dass Industrie 4.0 nicht nur die Wirtschafts- sondern auch die Finanzwelt betrifft, darauf  deuten jedenfalls Christian Kretzmann (APIS Capital), Prof. Dr. Henning Zülch (HHL Leipzig Graduate School of Management) und Dirk Schaufelberger von der Sparkasse Dortmund hin. Dr. Jörg Storm von Daimler fährt bereits heute ein Auto, das automatisch einparkt und Sicherheitsabstand hält. Sein Ziel: Die Digitalisierung der Wertschöpfungskette von Konstruktion und Entwicklung über die Produktion bis zu Vertrieb und Service. Sein größter Kontrahent ist Uwe Lübbermann von Premium Cola, der sich überhaupt nicht für Gewinnsteigerung interessiert, sondern durch intelligente Logistik und gute Führung den Planeten etwas besser machen will. Zu den Verdächtigen im nahen Umfeld der ISM Dortmund gehören Börje Wichert von der Wirtschaftsförderung Metropole  Ruhr und Gabi Schilling von der IG Metall, die wissen wollen, was die Industrie 4.0 für die Menschen in der Region bedeutet. Die größten Unbekannten sind Andreas Philipp und Berthold Haustein, denn als Experten für IT-Sicherheit und Recht ist zunächst unklar, was sie mit der Industrie 4.0 zu tun haben.

Das Urteil

Nach einem zwölfstündigen Verfahren am 15. April 2016 sprechen die Ermittler alle Verdächtigen im Fall Industrie 4.0 schuldig. Die Digitalisierung der Wirtschaft betrifft längst nicht nur die Arbeiter in den Produktionshallen. Industrie 4.0 ist eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung, die es zu gestalten gilt. Sie verändert unsere Welt, ob privat oder im Büro.