Privatuni und Privatsphäre – über Klatsch und Tratsch an der ISM

Eine private Hochschule ist alles andere als eine Massenveranstaltung. Kleine Studiengänge, eine familiäre Atmosphäre und das persönliche Interesse der Dozenten an uns Studenten – das hat zur Folge, dass so mancher Klatsch und Tratsch sich wie ein Strohfeuer über den ISM-Flurfunk verbreitet.

An der ISM fühle ich mich mehr als nur fachlich gut aufgehoben. Anders als in meinen Zeiten an einer großen, öffentlichen Hochschule freue ich mich jeden Tag aufs Neue, studieren zu gehen und meine Kommilitonen zu sehen. Von meinen Professoren werde ich mit Namen angesprochen und ich kenne schon nach dem ersten Semester fast alle Gesichter. Manchmal kommt es mir so vor, als sei ich in eine große, glückliche ISM-Familie adoptiert worden. Vor einigen Tagen habe ich von einem Kommilitonen aufgeschnappt, dass das Schlimme an einer Privatuni die Tatsache sei, dass nichts an dem, was man hier so tut, privat ist.

Nicht für meine Ohren bestimmt, kenne ich den ausschlaggebenden Grund für diese Aussage nicht. Dennoch habe ich angefangen, darüber nachzudenken. Grenzt all das, was ich als gemütlich, familiär und angenehm empfinde, in Wahrheit wirklich an das Drehbuch einer Seifenoper? Ich weiß wirklich nicht, welche Details meines Privatlebens bisher durch die heiligen Hallen der ISM gegeistert sind, jedoch kenne ich bereits genügend Geschichten über meine Kommilitonen. Und das nach nur einigen Monaten Studentenleben.

Ob lustige Partyeskapade, eingebildete Krankheit oder brisante Beziehungsgeschichte – früher oder später weiß fast jeder darüber Bescheid. Auch einigen Professoren bleibt der Gossip dank geschwätziger Kommilitonen nicht vorenthalten. Und wenn man auf der letzten Uni-Party mit Abwesenheit geglänzt hat, kann man sich am nächsten Morgen dank Facebook, Snapchat und Instagram detailreich über die goldenen Momente des Vorabends informieren. Das ist natürlich wichtig, wenn man mitreden möchte. Ich selber bin verhältnismäßig Social-Media-immun. Facebook habe ich zwar, aber Snapchat ist mir nach wie vor ein Rätsel. Dank meiner sorgenden Freundinnen dauert es aber dann höchstens bis zur Mittagspause in der Mensa, bis die Informationen auch zu mir durchgesickert sind.

Mein Kommilitone hat also Recht – es ist schwer, hier etwas geheim zu halten, wenn es das studentische Leben betrifft. Ich empfinde diese harmlosen Tratschereien aber als eine Bereicherung. Nicht nur, weil bereits der ein oder andere Lacher oder Insiderwitz daraus entstanden ist. Auf eine unterhaltsame Weise bringt es mir meine Mitstudenten einfach näher. Einige Geschichten sind einfach dafür da, dass man sie sich ins Ohr flüstert und ich gehe jede Wette ein, dass mir manche Anekdote auch in vielen Jahren noch einfallen wird. Und wenn wir uns dann alle irgendwann wiedersehen, wird es sein wie eine große ISM-Familienfeier.

Autorin: Nina Wolf