A World of Handball – Emotionen pur beim Partille Cup in Schweden

A World of Handball – das ist das Motto des Partille Cup. Das größte Handballturnier weltweit mit über 1.000 Mannschaften aus 45 Ländern ist eines der hochklassigsten internationalen Turniere im Jugendbereich und vermittelt vor allem eines: Menschlichkeit.
Bereits zum siebten Mal nahm ich im Juli 2016 an diesem Erlebnis im schwedischen Göteborg teil und möchte meine Erfahrungen mit anderen Interessierten und Sportbegeisterten teilen.

Abseits von Politik und Wirtschaft treffen sich jedes Jahr tausende Jugendliche im Alter von 10 bis 21 um ihrer Sportart, dem Handball, nachzugehen. Und obwohl das Turnier ein wahrer Hochkaräter mit mehreren Champions-League-Teilnehmern und Erstligisten ist, geht es um ein frohes, buntes und unbeschwertes Miteinander. Für mich persönlich ist es immer wieder ein überwältigendes Erlebnis, der riesigen Eröffnungsfeier beizuwohnen, abseits vom Spielfeld mit Leuten anderer Nationen zu reden und neue Freunde auf der ganzen Welt zu finden.

Eine Übersicht der Länder, die 2014 teilnahmen
Eine Übersicht der Länder, die 2014 teilnahmen

Unsere Reise beginnt jedes Jahr im kleinen Haltern am See. Von dort aus fahren wir mit dem Bus nach Kiel, fahren mit einer Fähre nach Dänemark, von dort aus zur nächsten Fähre um schließlich in Schweden anzukommen. Genächtigt wird in Schulen oder Sportzentren. Dieses Jahr schliefen wir eine Woche lang in einem Sportzentrum eines Vororts von Göteborg. Zu den Spielen kommt man mit den für Spieler kostenlosen öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Woche ist zwar hart, doch insgesamt eine riesige Erfahrung, die ich jedem, der zu der Zeit mal in Schweden ist, nur ans Herz legen kann. Montags ist der Tag der Ankunft. Die Schulen bzw. Sportzentren werden bezogen und da viele Mannschaften eine lange Anreise hinter sich haben, liegt an diesem Tag kein Spiel.

 

Das Frühstück in verschwitzten Trikots, zwischen klebrigen Bällen und bei lauter Musik an der Bushaltestelle verputzen – so sollten die nächsten Tage beginnen
Das Frühstück in verschwitzten Trikots, zwischen klebrigen Bällen und bei lauter Musik an der Bushaltestelle verputzen – so sollten die nächsten Tage beginnen

Dienstags beginnt das Turnier mit der Gruppenphase. In diesem Jahr durften wir unsere beiden Auftaktspiele gegen Zagreb, den kroatischen Meister und Pokalsieger, und die brasilianische Nationalmannschaft bestreiten. Dass wir beide Spiele verloren, tat nichts zur Sache, denn wir konnten immerhin gegen die brasilianische Nationalmannschaft und den kroatischen Meister spielen – wer kann so was schon von sich behaupten? Abends konnten wir dann der gigantischen Eröffnungszeremonie beiwohnen.

 

Impressionen der Eröffnungsfeier
Impressionen der Eröffnungsfeier

Jedes Land konnte im vollen Skandinavium (Das Stadion, in dem u.a. die schwedische Nationalmannschaft spielt) einlaufen und bei Musik und guter Laune wurden neue Freunde gefunden. Im letzten Jahr durfte ich mit meiner Mannschaft bei dieser Feier Deutschland vertreten und mit Bundesadler auf der Brust und Flagge in der Hand einlaufen. An diesem Tag ging ein persönlicher Traum von mir in Erfüllung und wenn ich mich daran zurückerinnere, kriege ich immer noch  Gänsehaut.

 

Ein riesiges Erlebnis
Ein riesiges Erlebnis

Mittwochs ging es gegen Sieverstedt, einen deutschen Oberligisten, und Mashrhino, eine Mannschaft aus Simbabwe. Da das Spiel gegen Mashrhino sportlich für keine der beiden Mannschaften interessant war (Mashrhino trat mit 12-Jährigen in der Kategorie „Boys 18“ an), wurde das Spiel zu einem Spaß-Spiel, in dem sich beide Teams mit Respekt behandelten. Im Anschluss an das Spiel wurde – wie immer – ein Gruppenfoto gemacht und ich hatte als Mannschaftsführer die Ehre, die Wimpel beider Mannschaften auszutauschen um unsere Sammlung im Mannschaftsheim zu vergrößern. Außerdem wurden Adressen ausgetauscht und mittlerweile müsste eine unserer Postkarten auch in Simbabwe angekommen sein.

Nach zwei Siegen am Mittwoch ging es also am Donnerstag um den Einzug in das A-Finale. Da das Turnier kein Turnier ist, das nur auf sportlichen Erfolg ausgerichtet ist, gibt es die A-Finals, in die die ersten drei Mannschaften jeder Gruppe kommen, und die B-Finals, in denen Platz vier bis sieben ebenfalls einen Sieger ausspielen können.

 

Während der A-Finals wehten die Nationalflaggen aller Teilnehmer im Wind
Während der A-Finals wehten die Nationalflaggen aller Teilnehmer im Wind

Also mussten wir am Donnerstag gegen Eupen, einen Zweitligisten aus Ostbelgien ran. Mit Skogas hatten wir außerdem den ersten Gegner aus Schweden. Nach zwei Siegen konnten wir uns neben dem Einzug in die A-Finals außerdem über eine Einladung zu einem Testspiel mit Übernachtung in Eupen freuen. Da wir frühzeitig mit unseren Spielen fertig waren, hatten wir endlich genug Zeit, die mannigfaltigen Angebote des Gastgebers zu nutzen. Denn neben den Spielen hatte man nicht nur die Möglichkeit, zur Eröffnungsfeier zu gehen, sondern konnten bei Musik eine Runde Streethandball spielen, an diversen Ständen Handballartikel zu sehr erschwinglichen Preisen erwerben, einige der vielen Handballstars, die vor Ort z.B. Autogramme gaben, aufsuchen oder uns von Straßenkünstlern begeistern lassen. Es ist einfach unfassbar, wie eine ganze Stadt nicht nur den Handball, sondern die Gastfreundschaft lebt. Die gleiche Stimmung ist bei allen Teilnehmern vorzufinden – egal ob schwedischer Meister oder ägyptische Spaß-Truppe!

Von Mittwoch bis Freitag stiegen außerdem jeden Abend verschiedene Partys. Es gab die Leaders-Party, bei dem alle Betreuer eingeladen waren, mit anderen Trainern und Betreuern zu feiern. Des Weiteren wurde ein Players-Club angeboten, in den alle Spieler umsonst kamen und sich gegenseitig kennenlernen konnten. Auch wurden Partys für die ebenso internationalen Schiedsrichter angeboten. Da es bei dem Turnier allerdings nicht um Partys, sondern ein fröhliches Miteinander geht, wird zumindest im Players-Club kein Alkohol ausgeschenkt.

 

Die Hoffnung auf die begehrte Medaille bestand noch
Die Hoffnung auf die begehrte Medaille bestand noch

Freitags stiegen also die KO-Runden. Nach einem Sieg gegen den spanischen Erstligisten Grannolers mussten wir uns dem späteren Zweitplatzierten und Erstligisten aus Schweden, Lugi, geschlagen geben. Wir erreichten als absoluter Underdog also das Viertelfinale und konnten als beste deutsche Mannschaft mit breiter Brust aus dem Turnier gehen. Viel wichtiger war für uns allerdings die Tatsache, dass wir gegen acht Mannschaften aus sieben Nationen spielen durften.
Am Samstag war, da wir leider schon aus dem Turnier flogen, unser Abreisetag und die lange Reise in die Heimat konnte beginnen.

Was im ganzen Turnier erfreulich ist, ist die Tatsache, dass auf und neben dem Feld respektvoll miteinander umgegangen wird. Auf dem Spielfeld werden keine Trickwürfe versucht, egal, wir unterlegen der Gegner ist. Neben dem Spielfeld sieht man keine Anfeindungen, wie sie politischer oder wirtschaftlicher Natur sind. Wir haben abends in einer Bar mit Griechen gefeiert oder mit Israeliten Spaß gehabt. Auch konnte ich ein Nordkoreanisches Mädchen sehen, das ein Foto zusammen mit einer Südkoreanerin machte. Und jedes Mal, wenn ich an diese Wochen der Internationalität und Freude zurückblicke, frage ich mich, wieso dieser Umgang nicht der Standard ist in unserer so bunten Welt – denn vor allem haben mir diese Wochen eins gezeigt und mich eines der wichtigsten Güter gelehrt: Menschlichkeit.

Autor: Alexander Radas