Neues Jahr, neuer Aufgabenbereich: Mit dem Allianz Management Programm hoch hinaus

2007 hat Carina Hurnicki ihren Abschluss an der ISM gemacht. Seitdem hat sich bei ihr beruflich einiges getan. Heute absolviert die Alumna ein wohl einzigartiges Programm in Deutschland – das Allianz Management Programm Vertrieb. Welchen Herausforderungen sie sich dabei stellen muss und was sie an ihrem Aufgabenspektrum so fasziniert erzählt sie uns im Interview.

 

Liebe Frau Hurnicki, wie ging es für Sie nach Ihrem Abschluss an der ISM weiter, was hatten Sie geplant?

Wirklich langfristig geplant hatte ich nichts. Ich hatte an der ISM vieles ausprobiert, aber konnte mir auch so viel anderes noch vorstellen. Als BWL-Absolvent ist man ja kaum limitiert, das kann Fluch und Segen zugleich sein. Gemäß des Studiums wollte ich zunächst unbedingt international arbeiten. Auf eine Branche war ich nicht fixiert und auch geographisch flexibel. Weil ich es mir familiärer und weniger festgefahren vorstellte, entschied ich mich zunächst für einen Mittelständler. Im Laufe der Jahre hat sich das geändert, nun bin ich im Großkonzern aufgrund der vielen Weiterentwicklungsmöglichkeiten glücklich. Es hat aber alles Vor- und Nachteile. Mittlerweile ist meine einzige Motivation, im Job zufrieden zu sein. Ist das nicht der Fall, ändere ich sofort den Standort oder die Tätigkeit, und das ziemlich rigoros. Man verbringt so viel Zeit bei der Arbeit, da möchte ich mich morgens nicht mit schlechtem Gefühl  auf den Weg machen.
Was haben Sie nach Ihrem Abschluss letztlich gemacht?

Für meinen ersten Job zog ich nach Hamburg und pendelte jeden Tag nach Mecklenburg-Vorpommern, wo ich in einer mittelständischen, sehr internationalen Maschinenbaufirma angestellt war. Die Arbeit in einem Großkonzern mit – nach meiner Vorstellung –  starren Strukturen und langsamen Mühlen kam für mich nicht in Frage.

Als Assistentin der Geschäftsleitung übernahm ich schnell weitere Aufgaben, wie den internationalen Versand der komplexen Maschinen, Messeorganisation und -durchführung, die Überarbeitung des kompletten Marketings und vieles mehr. Es war eine spannende Zeit, ich war auf Messen in Moskau und drehte einen Firmenfilm in Florida, kümmerte mich um Zollabwicklungen und fremdsprachige Bankakkreditive. Trotzdem war ich zunehmend unglücklich und langweilte mich.

ism-messe_hurnickiNach fast vier Jahren entschloss ich mich zu einem radikalen Umbruch und ging nach erfolgreichem GMAT zum einjährigen Entrepreneurship-Studium an die Universiteit Maastricht. Durch das Gründen meines eigenen Start-ups, die kreative Gemeinschaft unter den Studenten und den hochkarätigen Austausch hat sich für mich ein ganz neuer Fokus ergeben.

Langfristig war mir der Schritt in die Selbständigkeit doch zu risikoreich, eine Rückkehr in den Mittelstand aber auch ausgeschlossen. Blieb der Schritt in einen Großkonzern. Ich sprach mit Freunden und Bekannten, nahm an Recruiting-messen teil. Eine ehemalige ISM-Kommilitonin empfahl mir ihren Arbeitgeber Allianz. Ihre Schilderungen waren so positiv, dass ich mich näher informierte und ein Einstiegsprogramm der Allianz fand, das mir sehr besonders erschien.

 

Wie ging es für Sie weiter und wo arbeiten Sie heute?

Heute bin ich seit vier Jahren Teil des Allianz Management Programms. Das Ziel ist es, in nur sieben Jahren zur Führungskraft des gehobenen Managements ausgebildet und gefördert zu werden – ein ambitioniertes Vorhaben! Eine Zielposition ist zum Beispiel der Geschäftsstellenleiter, der für ca. 190 Allianz Agenturen und 250 Mitarbeiter zuständig ist.

Dieses auf dem deutschen Markt einzigartige Programm bringt genau den schnellen Wechsel und die stetigen Herausforderungen mit, die ich mir wünsche, damit es nicht langweilig wird. Das klingt erstmal nach Platituden, in der Tat habe ich hier aber das Arbeitsumfeld gefunden, in dem ich mich bisher am wohlsten fühle. Auch in den letzten vier Jahren habe ich viel Neues über mich gelernt und meine Persönlichkeit noch weiter geformt. Das Gleiche bemerke ich übrigens bei meinen Programm-Kollegen. Man gewinnt enorm an Selbstbewusstsein, Durchsetzungsvermögen und Kommunikationsstärke. Wobei ich in keinem der drei Bereiche vorher wirklich Probleme hatte. Trotzdem ist der Unterschied klar spürbar. Es gibt in diesem Programm übrigens viele Parallelen zur ISM: Die enge Betreuung, die Exklusivität des Programms, Quartalsveranstaltungen mit den Vorständen des Konzerns und natürlich – wie immer – das Netzwerken.

 

Das klingt spannend – können Sie uns den Programmauflauf etwas näher beschreiben?

Das Programm ist in drei Phasen unterteilt: die Grundausbildung, die Spezialisierung und schließlich das Arbeiten als Führungskraft. Begonnen habe ich als Kundenbetreuerin in einer erfolgreichen Allianz-Agentur in Bonn, um die grundlegenden Dinge des Vertriebs zu lernen. Als spätere Führungskraft ist man zum einen glaubhafter, zum anderen kann man alles selbst besser nachvollziehen und auch Neuerungen besser einschätzen, wenn man das Basisgeschäft unseres Konzerns miterlebt hat.

Nach neun Monaten absolvierte ich die IHK-Prüfung zur Versicherungsfachfrau und nach zwölf Monaten die IHK-Prüfung zur Finanzanlagenfachfrau. Geschult wird man zum Teil online, zum Teil in einwöchigen Präsenzveranstaltungen im Hotel. Hierfür fallen natürlich keinerlei private Kosten an.

Danach geht es klassischerweise in die Spezialistenausbildung zum Lebens-, Sachversicherungs- oder Krankenspezialist. Hier vertieft man sein Wissen in einer bestimmten Sparte und unterstützt dann ca. 30 Agenturen beim Erreichen ihrer Jahresziele in diesem Segment. Nach meiner fünf-monatigen Spezialistenausbildung im Bereich Lebensversicherung und Geldanlage war zunächst in Bonn keine passende Stelle frei, man bot mir aber eine interessante Position im Change Management an. So betreute ich ein Jahr lang 90 Agenturen im Bonner Umland im Hinblick auf unsere Digitalisierungsstrategie und unser neues, computerbasiertes Kundenberatungsprogramm. Die Versicherungswelt befindet sich gerade in einem enormen Umbruch und diese Zukunftsthemen sind von enormer Bedeutung. Konkret bestand meine Aufgabe darin, Agenturinhaber bei ihrer Außendarstellung in sozialen Medien und bei der Gestaltung ihrer Homepage zu unterstützen. Zudem fördern wir die Beratung per Tablet – die Umgewöhnung ist nicht immer ganz einfach, wenn man jahrelang mit Stift und Papier beraten hat. Durch Schulungen und gezielte Unterstützung in Kundenterminen habe ich den Verkäufern geholfen, sich mit den neuen Techniken anzufreunden und im Umgang damit sicher zu werden.

carina-hurnickiEnde 2013 konnte ich die Stelle als Vorsorge- und Anlagespezialistin übernehmen. Für ein Jahr schulte ich Verkäufer bei Produktneueinführungen und Agenturen forderten mich als Unterstützung bei komplexeren Terminen oder Großgeschäften an, z.B. wenn ein Unternehmer abgesichert werden soll oder eine Person einen größeren Geldbetrag anlegen möchte. Auch hier war es mir selbst überlassen, wie ich meine Woche plane und wann ich mit wem welche Termine abhalte. Mit Ende dieser Tätigkeit war Phase zwei des Programms absolviert und ich bestand das interne Assessment Center zu Führungskraft. Hierauf wurde ich zusammen mit anderen Kandidaten ca. zwei Jahre lang durch Seminare vorbereitet, es ist also eine recht große Hürde genommen, wenn man das AC dann erfolgreich hinter sich bringen konnte.

Von Januar bis Juli 2016 war ich in unserer Zentrale in München im Projektmanagement. Ein ganz anderes Arbeiten als im Außendienst, aber das AMP wählt den Weg der Jobrotation bewusst, damit wir Mitglieder immer wieder „über den Tellerrand“ blicken können und müssen. Wenn man selbst beurteilen kann, wie wo gearbeitet wird und welche Prozesse im Hintergrund laufen, kann man viel zielgerichteter handeln, wie ich finde. Darüber hinaus kann ich später im Außendienst natürlich wieder auf meine vor Ort geknüpften Kontakte zurückgreifen, wenn es mal Fragen zu oder Probleme mit Programmen gibt oder ich einmal für einen Vortrag „Insiderinfos“ brauche.

Seit August 2016 bin ich in der Geschäftsstelle Wuppertal als Leiterin der Verkaufsqualifizierung tätig und habe meine erste Führungsaufgabe übernommen. Ich bin zuständig für das Recruiting (Messen, Anzeigenschaltung), den gesamten Einstellungsprozess (Interviews, Assessment Center, etc.) und schließlich für die Betreuung der neu eingestellten Kundenbetreuer, Trainees, Azubis und Unternehmer bis zum Ende der Probezeit. Mein zu betreuendes Gebiet erstreckt sich bis ins tiefe Sauerland und ich bin viel unterwegs, um alle Mitarbeiter gleich intensiv zu betreuen.

Diese Aufgabe liegt mir besonders am Herzen, da es meiner Ansicht nach eine große Verantwortung birgt, den Nachwuchs zu fördern und den optimalen Ablauf der Ausbildung zu gewährleisten. Wir stellen viele Quereinsteiger ein, die bisher weder mit dem Vertrieb noch mit der Branche Berührungspunkte hatten. In Verkaufsbegleitungen beobachte ich, ob die Nachwuchsverkäufer fachlich und technisch nach unseren hohen Qualitätsstandards arbeiten, aber auch ob und wie sie auf den Kunden eingehen und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Dann gibt es noch regelmäßige Treffen mit allen Neueinsteigern zum Erfahrungsaustausch und zur Vertiefung des Wissens. Mein übergeordnetes Ziel ist es, dass sich die Neustarter wohl bei uns fühlen, bei Problemen immer einen Ansprechpartner haben und ein reibungsloser Einstieg ins Unternehmen stattfindet. Hierbei stehen mir natürlich meine Kollegen Regionalleiter und die Einsatzagenturen der neuen Kollegen zur Seite. Leider gibt es auch unangenehme Dinge in meiner Tätigkeit, denn nicht jeder ist für diesen Beruf geschaffen und die Erwartungen sind hoch. Oft können wir die Eignung im Einstellungsprozess vorhersagen, aber eben nicht immer und dann muss ich die Reißleine ziehen und auch mal ein Arbeitsverhältnis nach der Probezeit beenden. Zum Glück kommt das nur selten vor.

 

Was ist das Besondere an Ihrem Job und was macht Ihnen am meisten Spaß?

Das Programm (Allianz Management Programm) ist meines Wissens nach einzigartig in Deutschland. Zudem ist der Vertrieb in meinen Augen ein Bereich, der bei vielen Absolventen eine zu untergeordnete Rolle spielt. Das Tolle daran ist aber die Gestaltungsfreiheit, man macht tatsächlich „etwas mit Menschen“, was ja ein Klassiker ist wenn man Absolventen nach Ihrem Berufswunsch fragt.

Am meisten Spaß macht mir das hohe Maß an Eigenverantwortlichkeit. Ich strukturiere meine Woche und meine Aufgaben komplett selbst. Wichtig ist das Ergebnis am Ende des Jahres. Außerdem mag ich die Zusammenarbeit mit selbstständigen Agenturinhabern, denn die haben ihren ganz eigenen Kopf und es gibt schon mal hitzige Argumentationen. Ich freue mich auch, wenn ich auf Recruitingveranstaltungen junge Kollegen vom Vertrieb überzeugen kann, denn das Image unserer Branche ist weitaus verstaubter und konservativer als die Realität.

 

Was ist die größte Herausforderung im Allianz Management Programm?

Jedes Jahr einen komplett neuen Aufgabenbereich  zu haben und sich neu einarbeiten zu müssen – gegebenenfalls sogar in einer neuen Region. Spätestens im März hat sich die Einarbeitung dann aber eingependelt und man ist stolz auf sich, wieder die nächste Hürde genommen zu haben. Im Dezember, kurz bevor sich eine Routine einstellen kann, bereitet man sich dann gedanklich schon wieder auf das neue Themenfeld vor.

 

Wie werden Sie von Ihrem Arbeitgeber gefördert?

Das Netzwerken innerhalb dieses Großkonzerns wird enorm gefördert, und zwar deutschlandweit. Zudem gibt es ein großes Online- und Präsenzschulungsangebot, aus dem jeder Mitarbeiter jährlich neu auswählen kann. Als Führungskraft im Vertrieb bekommt man einen Coach an die Seite gestellt, der einen individuell und nach Bedarf begleitet. Innerhalb des Allianz Management Programms gibt es zudem Extraförderungen, durch ein Patensystem und die deutschlandweiten Quartalstreffen mit den Konzernvorständen.Wie geht es für Sie in den kommenden Jahren weiter?

Ich zitiere bei solchen Fragen – auch aufgrund der gemeinsamen Bochumer Heimat – gern Herbert Grönemeyer: „Geh voran – bleibt alles anders.“ Konkrete Angaben kann und will ich nicht machen. Es gibt jedes Jahr so viele neue Möglichkeiten, die noch im Vorjahr undenkbar waren. Ich lasse mich wirklich überraschen und schaue kurzfristig, worauf ich Lust habe.

Thematisch habe ich meine Heimat aber auf jeden Fall im Vertrieb gefunden. Und wenn sich das mal ändern sollte, weiß ich, dass das auch kein Problem sein wird.
Was können Sie aktuellen ISM-Studenten als Tipp für den Berufseinstieg mit auf dem Weg geben?

Meiner Ansicht nach macht es Sinn, sich bei der Berufswahl nicht nur thematisch leiten zu lassen, also beispielsweise von der Frage, ob man eher ins Marketing oder eher in den Finanzbereich möchte. Ich bin fest davon überzeugt, dass die Unternehmenskultur einer der wichtigsten Faktoren für die Mitarbeiterzufriedenheit ist. Darum kann ich nur empfehlen, mal in sich zu gehen und herauszufiltern, was man generell für ein Mensch ist. Bin ich eher Gruppenanführer oder doch der zurückgezogene Typ? Kann ich größtenteils alleine arbeiten oder brauche ich jeden Tag ein Team um mich? Entwickle und plane ich Dinge gerne selbst, oder ist es mir lieber, von jemandem konkrete Aufgaben und Anweisungen an die Hand zu bekommen?

Bei mir hat sich zum Beispiel sehr schnell herausgestellt, dass meine oberste Maxime das selbstbestimmte Arbeiten ist, gefolgt von einer freundschaftlichen Arbeitsatmosphäre. Darum bin ich im Vertrieb so zufrieden –  ich gestalte meine Woche selbst und die Kollegen sind alle sehr offenherzig und extrovertiert.