Karriere-Blog, Teil 3: Bei Bewerbungsunterlagen, im Einstellungstest oder bei Assessment-Center richtig Werbung machen

ziko-jovic-foto-1024x1024In diesem Schritt geht es darum, im Rahmen des Auswahlverfahrens aktiv auf sich aufmerksam zu machen. „Leider verkaufen sich hier viele Bewerber zu schlecht – und zwar, weil sie sich unzureichend vorbereiten“, sagt Ziko Jovic.

 

Im Bewerbungsverfahren für sich Werbung machen – aber wie?

Gutes Selbstmarketing fängt schon bei den Bewerbungsunterlagen an, vor allem im Anschreiben und im Lebenslauf. Personaler haben die Erwartungshaltung, dass ein Bewerber deutlich macht, dass er beim Zielunternehmen auch wirklich mit Begeisterung und hoher Motivation tätig sein möchte. Diese „Motivation“ findet man in 90 Prozent der Bewerbungsanschreiben leider nicht vor – weil der Großteil der Bewerber die gleichen oder ähnliche Standardformulierungen im Anschreiben nutzt. Somit macht man sich per se uninteressant!

 

Worauf sollte beim Bewerbungsanschreiben und dem Lebenslauf geachtet werden?

Zunächst sollte das Bewerbungsanschreiben als eine Art Werbebrief verstanden werden. Ein klassischer Werbebrief besteht i. d. R. aus drei Komponenten: einem emotionalen Einstieg, einer Sachebene (Hard-Facts) und einem emotionalen Ausstieg.

Im Bewerbungsanschreiben ist der emotionale Einstieg der Motivationsabsatz. In diesem Absatz sollte der Bewerber klar und deutlich herausstellen, warum er sich beim Zielunternehmen bewirbt und warum er die Stelle unbedingt haben möchte.

„Hier sollte man auf Standardfloskeln (z. B. großes Interesse an der Position, interessante Aufgabenstellung, Spaß und Freude am beschriebenen Aufgabenbereich usw.) verzichten. Solche Motive setzen Personaler voraus, wenn sich jemand auf eine Stelle bewirbt. „Bewerber sollten einen Schritt weitergehen und klarmachen, was konkret sie an der beschriebenen Aufgabenstellung interessant finden und wie sie sich einbringen können“, rät Ziko Jovic.

Auch bei der Erläuterung, warum man sich bei diesem bestimmten Unternehmen bewirbt, sollte man auf Hard-Facts wie Unternehmensgröße, Mitarbeiteranzahl, Produktportfolio, Jahresumsatz usw. verzichten. Hier sollte der Bewerber deutlich machen, welche Soft Skills des Unternehmens er besonders interessant findet und daraus das Bewerbungsmotiv ableiten und es beschreiben.

Im zweiten Absatz erfolgt der Wechsel auf die Sachebene, der sog. Qualifikationsabsatz. In diesem Absatz sollten Bewerber ihre Fähigkeiten, Fertigkeiten und vorhandenen Kenntnisse beschreiben. Es sollte darauf geachtet werden, dass die eigenen Qualifikationen zum großen Teil identisch mit dem Anforderungs- bzw. Qualifikationsprofil aus der Stellenanzeige sind – oder zumindest so beschrieben werden. Viele Bewerber machen den Fehler, über Qualifikationen zu schreiben, die mit den Stellenanforderungen wenig bis gar nicht übereinstimmen.

„Besonders wenn man sich über Stellenanzeigen bewirbt, ist eine Absage mit dieser Vorgehensweise schon vorprogrammiert“ so Ziko Jovic.

Im dritten und letzten Absatz rückt das sogenannte Nutzen- bzw. Leistungsversprechen des Bewerbers in den Fokus. Konkret muss der Bewerber beschreiben, warum gerade er für diese Position besonders geeignet ist. „Es sollte konkret folgende Frage beantwortet werden: Was hat das Unternehmen davon, wenn es den bestimmten Bewerber einstellt?“, sagt Ziko Jovic. Ähnlich wie bei einem Werbebrief steht die Nutzenargumentation im Vordergrund.

Auch im Lebenslauf sollte der Bewerber nach dem 3K-Prinzip vorgehen (steht für kurz, knapp, knackig) – Zahlen, Daten, Fakten und vor allem Erfolge müssen aufgeführt, auf lange Textpassagen sollte dagegen unbedingt verzichten werden.

„Gewisse graphische Auflockerungen sind durchaus erlaubt, aber übertreiben Sie es nicht“, empfiehlt Ziko Jovic.

Ein Tipp hier zum Schluss: „Sie werden nicht zu einem Arbeitsvertrag durch Ihre Bewerbungsunterlagen kommen – das ist auch nicht das Ziel. Die Bewerbungsunterlagen sollen den Personaler nur neugierig machen, damit Sie zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Machen Sie also neugierig auf sich und Ihre Persönlichkeit.“

 

Eigenwerbung beim Einstellungstest oder im AC – wie geht das?

Auch wenn die Bewerber beim Einstellungstest i. d. R. auf sich alleine gestellt sind, so lässt sich auch in diesem Rahmen gutes Selbstmarketing betreiben.

Zunächst sollten Bewerber auf eine schriftliche Einladung auf jeden Fall reagieren und die Teilnahme telefonisch oder per Mail bestätigen. „Häufig müssen Firmen den Bewerbern hinterhertelefonieren, um sich zu vergewissern, ob diese auch tatsächlich teilnehmen. Aktives Selbstmarketing sieht anders aus!“, sagt Ziko Jovic.

Um pünktlich zu erscheinen, sollte eine ausreichende Fahr- bzw. Reisezeit eingeplant werden. Die Bewerber sollten neben einer guten inhaltlichen Vorbereitung vor allem ausgeschlafen, erholt und entspannt zum Termin erscheinen. Des Weiteren gilt auch hier das Motto „Kleider machen Leute“ – d. h. im Business-Outfit zum Termin zu erscheinen ist Pflicht – auch wenn kein direktes Vorstellungsgespräch im Anschluss stattfindet.

Zum positiven und sympathischen Erscheinungsbild zählt neben dem Outfit eine aufrechte Körperhaltung, positive und lebendige Mimik und Gestik sowie ein sympathisches Lächeln und zu guter Letzt der direkte Augenkontakt. „Bei aller Vorbereitung sollte ein Grundsatz nie aufgegeben werden: Bleiben Sie sich selbst treu und verstellen Sie sich nicht!“, so Ziko Jovic.

Ein letzter Tipp hier: auch in den Pausenzeiten während des Auswahlverfahrens steht der Bewerber unter Beobachtung. Besonders in diesen Situationen mischen manche Unternehmen eigene Mitarbeiter unter die Bewerber, um dem einen oder anderen „auf den Zahn zu fühlen“. Deshalb gilt: Verhalten und äußern Sie sich stets neutral und bieten Sie keine zusätzliche Angriffsfläche.