Die Strandpromenade von Pacific Beach

A Dirndl in San Diego

Chiara
Chiara Knauß, 4. Semester, B.Sc. International Management

„Möglichst weit weg“, ist die erste Antwort von meiner Kommilitonin Chiara, als ich sie nach den Auswahlkriterien ihres Auslandsemesters Frage. „Und Hauptsache warm“, fügt sie charmant lachend hinzu. Bei einer durchschnittlichen, kalifornischen Jahrestemperatur von 20 Grad trickste sie mit ihrer Entscheidung nach San Diego zu gehen, den hiesigen Winter aus.

Als ich Ende November mit ihr über Facebook telefoniere, sitzt das Münchner Madl im dünnen Strickcardigan und mit einer Tasse Filterkaffee auf ihrer Terrasse in Pacific Beach – inklusive Meerblick. Im Hintergrund kann ich die ersten Jogger in der Morgensonne bei ihrer ersten Runde über die Promenade beobachten. Mit einem Strahlen in den Augen erzählt Chiara von ihrem sonnigen Abenteuer. Dabei gleitet mein Blick unwillkürlich immer wieder zu meinem Fenster hinaus, wo sich ohne Rücksicht auf Verluste die winzigen, weißen Soldaten des Winters aus den Wolken stürzen. Gnadenlos schlägt einer nach dem Anderen auf meinem Balkon sein Lager auf, um den Vormarsch der kalten Jahreszeit voranzutreiben, während ich über die Lautsprecher meines Laptops bei Chiara das Meer rauschen höre.

Einmal Sahnenudeln im Fladenbrot to-go bitte

Chiaras USA-Reise begann Anfang September mit einem typisch amerikanischen Frühstück zusammen mit ihrem Kommilitonen Maxi in San Diego. „Hi, how are you? I’m Lucy and I’ll be your Servant today. Please let me know if there is anything you need.” Und genauso groß wie die Freundlichkeit, mit der die beiden Münchner dort empfangen wurden, waren auch die Portionen im Diner.

 

Eine von vielen ungewöhnlichen Straßen-Delikatessen
Eine von vielen ungewöhnlichen Straßen-Delikatessen

Durch die Nähe zum Nachbarland ist San Diego stark mexikanisch geprägt. Neben Tachos, Nachos und allen erdenklichen Variationen des Burritos, isst man vorwiegend Fleisch oder lässt sich von kreativen Kreationen der Fusion-Küche überraschen.
In Restaurants und Bars laufen auf mehreren Geräten gleichzeitig die Lieblingssportereignisse der Amerikaner, wie Baseball, Basketball, Eishockey und Football. Samstags beginnt in den Bars und Clubs die Happy Hour bereits um 15 Uhr. Dafür schließt jede Lokalität spätestens um zwei Uhr nachts.

Wo wir beim nächsten Thema wären: den Getränken. Etwas Gleichwertiges wie ein gutes “Gustl” oder “Tegernseer” sucht man hier laut Chiara vergebens. Die Kalifornier lieben ihre Craft Beers. Mit Geschmackszusätzen von Kokos bis Kaffee wird jedes Bräu fernab der Regeln des deutschen Reinheitsgebots zu einem Gemisch verunstaltet, welches sich Chiaras Erachtens nach nicht einmal mehr Bier nennen dürfte. Aber man reist ja auch nicht nach Amerika um Bier zu trinken.

 

Der größte kulturelle Unterschied ist für Chiara jedoch die Lebenseinstellung der Menschen. „Wahrscheinlich liegt es am Wetter“, sagt sie. „Denn die Einheimischen sind viel gelassener und freundlicher.“ So ist sie schon öfters in Situationen geraten, wie man diese in München niemals erleben würde. Auf dem Weg zum Zoo kam ihr ein fremdes Pärchen entgegen und schenkte ihr eine noch gültige Eintrittskarte. An einem anderen Tag passierte auf einem Parkplatz das Gleiche mit einem Parkticket. Alle sind aufmerksamer und die herablassende Oberflächlichkeit, die einem in München oft begegnet, fällt in San Diego gänzlich weg. „Ich habe in den ganzen Wochen, seit ich hier bin, noch keinen schlecht gelaunten oder hektischen Menschen getroffen“, erzählte Chiara. „Die Leute sind einfach glücklich und legen auf ganz andere Eigenschaften Wert.“

Offenes Lernumfeld

Sonnenuntergang an der Steilküste
Sonnenuntergang an der Steilküste

Ein ähnlicher Unterschied findet sich auch im Uni-Alltag wieder. Da die Universität berufsbegleitend ausgelegt ist, hat Chiara nur zwei Tage die

Woche Vorlesungen. Im amerikanischen System wird verstärkt auf Interaktion gesetzt. „Es ist schön, in so einem offenen Umfeld unterrichtet zu werden und die verschiedenen Ansichten und Werte von meinen Professoren und Kommilitonen kennenzulernen.“ Die Endnote besteht zudem aus Midterm und Final Exam, sowie Anwesenheit und Mitarbeit.

„Ich liebe es einfach hier“, sagte sie zum Schluss unseres Telefonats und hält dann kurz inne. Dann trinkt sie genüsslich mit genau der von ihr beschriebenen Leichtigkeit einen Schluck aus ihrer Kaffeetasse, streicht sich durch ihre langen braunen Haare, lächelt und sagt mit einem süßen Augenzwinkern: “Aber dahoam is dahoam.”

Autor: Maximilian Brohmeyer

 

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