Strategien hinter wirtschaftlichem Wachstum: ISM-Professor André Reichel bei der Academy of Management (AOM) in Chicago

ISM-Professor André Reichel leitete bei der 78. Konferenz der Academy of Management in Chicago einen Workshop zum Thema „Strategy Beyond Growth“.

Welche Rolle spielen Unternehmen bei der Verbesserung der Lebensumstände? Welche Verantwortung trägt das Management und worauf muss sich die Managementausbildung einstellen? Fragen wie diesen ist ISM-Professor André Reichel Mitte August bei der 78. Konferenz der renommierten Academy of Management (AOM) in Chicago nachgegangen. Bei der internationalen Veranstaltung kamen rund 10.000 Wissenschaftler aus dem Bereich Management zusammen. Im Rahmen von Workshops, Symposia und Debatten diskutierten sie fünf Tage über die aktuellen Herausforderungen des Managements und der Wirtschaft. Vor allem Themen wie soziale Verantwortung, aber auch die Herausforderungen durch die Digitalisierung, standen auf der Tagesordnung.

Der ISM-Professor leitete selbst einen Workshop zum Thema „Strategy Beyond Growth“. Hierunter fallen Strategieansätze, die Geschäftsmodelle ins Zentrum stellen, die sich einem möglichst geringen Rohstoff- und Energieverbrauch verschreiben. Sie sind explizit nicht auf ein Mengenwachstum ausgerichtet, sondern wollen ein nachhaltiges Wirtschaften möglich machen. Zusammen mit rund 50 anderen Wissenschaftlern und Forschern von internationalen Hochschulen beschäftigte er sich mit neuen strategischen Ansätzen für Organisationen und ihre Prozesse. „Der Wandel der strategischen Weltbilder von einseitiger Wachstumsfixierung hin zur Bereitstellung von Lebensqualität für Mensch und Umwelt fällt Organisationen schwer. Sobald aber die Wachstumsbrille einmal abgenommen wird, kommen neue Ideen für neue Geschäftsmodelle und neue Produkte heraus. Das hilft bei unternehmerischer Zukunftsfähigkeit“, so Reichel.

Interessante Ansätze lieferten auch die vielseitigen Diskussionen: „Viele Gespräche handelten davon, wie wichtig es ist, dass Management-Experten sich im Zeitalter von Brexit, Trump, Populismus und Fake News selbst als öffentliche Intellektuelle ansehen. Dass sie nicht nur Forscher und Gelehrte sind, sondern auch Bürger und Aktivisten. Innerhalb der Academy of Management gibt es hierfür starke Impulse.“

Vor allem die Unterschiede zwischen der amerikanischen und europäischen Management-Forschung konnte Reichel, der am Campus der ISM Stuttgart International Management lehrt, deutlich erkennen. „In Europa haben wir Forschungstraditionen, die im Vergleich zu den USA in ihren Gedankenansätzen drastischer sind und zugleich auf eine praktischere Ausrichtung setzen, wenn es um gesellschaftliche und politische Bedeutsamkeit geht. Während in Europa Management-Forscher für ihre anwendungsorientierten Beiträge geschätzt werden, stützen sich amerikanische Forscher vor allem darauf, messbare Ergebnisse für anerkannte Fachzeitschriften zu produzieren.“

Die Konferenz der Academy of Management (AOM) findet jährlich in Chicago statt. Auch nächstes Jahr plant Reichel wieder teilzunehmen und sich mit anderen Management-Experten auszutauschen.

Autorin: Ann-Katrin Dölken