Torben Antretter beim Gründerabend an der ISM Köln

Schnell scheitern, schnell lernen: ISM-Alumnus Torben Antretter über das Unternehmersein

Als „Rächer der Lüfte“ bezeichnete das Handelsblatt die drei Jungs vom Start-up Geld-für-Flug.de, die für ihre Kunden nicht-angetretene Flüge zu Geld machen und notfalls den Rechtsanspruch vor Gericht einklagen. Einer von ihnen ist ISM-Alumnus Torben Antretter, der uns beim ECC Gründerabend an der ISM Köln von den Höhen und Tiefen seiner Gründungsgeschichte erzählt hat.

Torben, was genau steckt hinter dem Modell Geld-für-Flug.de?

Das Prinzip funktioniert wie folgt: Ein Konsument hat einen Rechtsanspruch wie eben den Rückerstattungsanspruch aus einem nicht-angetretenen Flugticket, den er aber selbst nicht geltend machen kann oder will – da kommen wir ins Spiel. Wir kaufen Konsumenten ihre Rechtsansprüche ab, sammeln sie und verklagen dann mit tausenden Forderungen Fluggesellschaften wie Ryanair oder EasyJet. Dieses Consumer-Factoring-Prinzip lässt sich überall da anwenden, wo der Konsument ein Problem mit einem großen Konzern hat. Mit der RightNow Group haben wir Geld-für-Flug.de ins Leben gerufen und mittlerweile mehrere Plattformen nach demselben Prinzip gestartet.

ISM-Alumnus Torben Antretter
ISM-Absolvent Torben Antretter hat das LegalTech-Start-up Geld-für-Flug.de mitgegründet.

Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Das ist tatsächlich nicht mein erstes Gründungsprojekt. Mit einem meiner Mitgründer habe ich vorher einen Weinhandel betrieben. Wir mussten aber schnell feststellen, dass das Modell nicht wirklich margenträchtig ist. Wir hatten sehr viele Probleme, die wir vorher gar nicht kannten, und haben das Unternehmen irgendwann liquidiert. Wir wollten es aber unbedingt nochmal machen, nochmal versuchen und haben uns durch diese Negativerfahrung eine Art Trichter zurechtgelegt, was das neue Projekt hergeben muss, damit es beim nächsten Mal funktioniert. Daraus ist durch verschiedene Überlegungen das Geschäftsmodell von Geld-für-Flug.de entstanden. Das hat dann funktioniert und ist gewachsen. Wir konnten sehr schnell Investoren für uns und das Unternehmen begeistern und so kam eins zum anderen.

Ihr seid mit dem Modell super erfolgreich. Start-ups bedeuten aber auch immer Trial und Error. Hattet ihr auch schon einen Punkt, an dem ihr gegen eine Wand gelaufen seid?

Absolut. Der Bundesgerichtshof hat uns durch eine Entscheidung zu Storno-Bedingungen früh einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht. Plötzlich machte das ganze Geschäftsmodell keinen Sinn mehr und das, nachdem wir gerade eine millionenschwere Finanzierung von verschiedenen Investoren bekommen hatten. Die Zweifel in den ersten Stunden waren extrem, aber das Unternehmersein härtet ab. Am Anfang ärgerst du dich drei Tage, dann drei Stunden – irgendwann sind es nur noch drei Minuten und dann geht’s weiter. Gerade in der Gründungsphase spielst du oft Feuerwehrmann, weil immer etwas schiefgeht. Aber genau das ist so spannend. Man ist jeden Tag mit neuen Situationen konfrontiert, lernt unfassbar viel und wächst an seinen Aufgaben.

Du hast Dich im Rahmen deiner Doktorarbeit viel mit dem Thema Entrepreneurship beschäftigt. Würdest du sagen, dass man Unternehmensgründung lernen kann?

Definitiv, aber nur, wenn man es am Ende auch umsetzt. In meiner Dissertation habe ich viel zu Venture-Capital-Investoren und deren Entscheidungskriterien geforscht. Nach zwei Jahren im Thema dachte ich mich richtig gut auszukennen. Dann musste ich für unser eigenes Unternehmen Venture Capital besorgen, mit Investoren verhandeln und Verträge gestalten. Da wurde ich schnell wieder geerdet und habe in den wenigen Monaten wahrscheinlich dreimal so viel gelernt wie in den zwei Jahren wissenschaftlicher Arbeit zuvor. Deswegen hilft für mich nur rausgehen, schnell scheitern und schnell lernen.

Wenn du an dein ISM-Studium zurückdenkst – was hilft dir daraus heute am meisten weiter?

Ich denke super positiv daran zurück, weil es so viele Aspekte gab, die mich persönlich geschult haben. Heute sitze ich auf der anderen Seite des Tisches und stelle selber Leute ein. Dabei achte ich fast nur noch darauf, ob jemand unser Unternehmen auch adäquat repräsentieren kann. Kann sich die Person verkaufen, sich ausdrücken? Wir nehmen die Leute auch gerne mit zum Essen, um beispielsweise zu sehen, wie sie sich gegenüber anderen Leuten wie dem Kellner verhalten. Ich habe an der ISM auch gelernt, dass man nichts geschenkt bekommt. Mein Studium habe ich damals selbst finanziert. Das war eine starke Motivation. Viele fachliche Themen lernt man spätestens in der Praxis, aber gerade die Soft Skills und das, womit man persönlich überzeugt, sollte man am besten mitbringen. Diese Dinge habe ich definitiv von der ISM mitgenommen.

 

Interview: Laura Krause