Gutes Timing als Lebensversicherung – der Start ins Hochschulleben

Winter 2018 – die Gehirne der Zwölftklässler Deutschlands schalten in den Panikmodus. Nächstes Jahr Abitur- übersetzt heißt das: Kinder, macht euch Gedanken um eure Zukunft! Fast ein Jahr ist nun vergangen, seitdem ich mich aus der Post-Abitur-Depression in das Unileben gestürzt habe. Hätte mir vorher jemand gesagt, wie schwierig die Umstellung von der Schule zur Uni sein würde, hätte ich vermutlich sofort einen Rückzieher gemacht. Aber keine Panik- wenn man weiß, wie man richtig damit umgeht, dann ist es ganz einfach.

Springen wir knapp eineinhalb Jahre in der Zeit zurück. Mir kroch der blanke Horror über den Rücken, wenn ich daran dachte, bald die Komfortzone Schule zu verlassen. Ich hatte mich gerade daran gewöhnt, und nun war es vorbei? Nein danke. Zuhause waren alle meine Freunde, und neue zu suchen kam mir unlösbar vor. Von Zuhause auszuziehen kam für mich nicht in Frage. Da ich nun auch nicht wie die meisten ISM-Studenten mit dem Auto zur Uni fahren konnte, hieß das für mich: jeden Morgen mit der Bahn von Hamm nach Dortmund gurken.

Und nun sind wir doch mal ehrlich: Nach dem Abitur kann sich jeder etwas Angenehmeres vorstellen, als danach noch anstrengendere Klausuren in der Uni zu schreiben. In der Schule konnte man bei allen Entscheidungen gemütlich die Füße hochlegen. Ob die Kurswahl, Bewerbungen oder  Prüfungen. Und jetzt? Jetzt darf man sich um alles selber kümmern. Vergisst man beispielsweise eine Anmeldung, dann hat man Pech gehabt. Erinnerungen auf dem Handy haben mir mein Leben gerettet, ebenso wie der zwischenzeitlich eingestaubte Kalender, der in der Ecke meines Zimmers lag. An die neue Selbstständigkeit gewöhnt man sich erstaunlich schnell.

Dass das Wort „Universität“ ein Synonym für „Lernen Lernen Lernen“ ist, war mir anfangs auch nicht bewusst. In der Schule hat man für Fächer wie Mathe frühestens eine Woche vorher angefangen zu lernen. Hier ist gutes Timing die Lebensversicherung. Eine halbe Stunde Nacharbeiten am Tag kann schon sicherstellen, dass man sein Leben während der Klausurphase nicht völlig aufgeben muss.

Blankes Grauen erfasste mich zum Semesterstart wenn ich daran dachte, bald mit dem Zug zur Uni fahren zu müssen. Zur Schule brauchte ich knapp zehn Minuten mit dem Auto, und nun- Pustekuchen! Die Bahn versüßt mir mit ihren Verspätungen immer wieder den Tag. Doch auch da bin ich mittlerweile gewappnet. Mit einem guten Buch oder einem Podcast ist die Wartezeit im Nu vorbei.

Machen wir uns nichts vor: Der erste Tag in einer neuen Umgebung ist immer der Horror. Als introvertierter Mensch ist es nicht unbedingt meine Lieblingsbeschäftigung, fremde Menschen anzusprechen. In den Vorkursen bekommt man allerdings die Möglichkeit, sich neben Kommilitonen zu setzen, die sympathisch wirken. Gesprächsthemen kommen von ganz allein, gerade bei den kleinen Gruppen an der ISM. Spätestens nach zwei Wochen fühlte sich das Unileben an, als hätte ich nie etwas anderes gemacht.

Klar die Umstellung von dem Lotterleben in der Schule zur Uni ist schwierig. Allerdings gibt die Uni einem die Chance, sich endlich mit den Themen zu beschäftigen, die einen wirklich interessieren. Keine öden Schulfächer mehr, die einem sowieso egal waren. Man ist als Student flexibler. Partys, neue Leute, neue Stadt. Auch wenn der Übergang ein wenig holprig war – mittlerweile weiß ich, dass ich endlich angekommen bin.

 

Autorin: Hannah Berse