Porträt Nicolas Scholz

Mutig vorangehen: ISM-Absolvent als NATO-Trainee

Vor dem NATO-Hauptquartier in Brüssel wehen die Fahnen der 29 Mitgliedsstaaten. Schon das Gelände der Organisation ist beeindruckend – selbst wenn man es täglich betritt, sagt Nicolas Scholz. Der ISM-Absolvent arbeitete für ein halbes Jahr als Trainee für die NATO und hat uns von seinen Erfahrungen berichtet.

Nicolas, wie bist du auf ein Traineeship bei der NATO gekommen?

Ich habe mich schon während meines Studiums an der ISM Frankfurt mit dem Thema Energiesicherheit beschäftigt und auch meine Bachelor-Thesis über Chinas Versorgungssicherheit im Ölsektor geschrieben. Bei der NATO wollte ich mich in der Abteilung für Energiesicherheit weiter damit beschäftigen, wie zum Beispiel Wirtschaft, Politik und Klima genau zusammenspielen und wie die Versorgungssicherheit der westlichen Demokratien sichergestellt werden kann. Das hat sich dann aber ganz anders ergeben.

Wie das?

Nach der Zusage dauerte die Sicherheitsüberprüfung fast zwei Jahre. In dem Zeitraum hatten sich nicht nur meine Interessen verschoben, sondern auch die thematischen Schwerpunkte der Organisation. Dadurch hatte ich während meines Traineeships weniger mit Energiesicherheit zu tun, sondern beschäftigte mich insbesondere mit den Herausforderungen der hybriden Kriegsführung wie beispielsweise Wirtschaftsspionage, Desinformation und Propaganda.

Was hat die Arbeit bei der NATO so besonders gemacht?

Das klingt vielleicht pathetisch, aber gerade in Zeiten der weltweiten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verwerfungen sollten wir uns meines Erachtens wieder mehr zu unseren Werten bekennen und für diese auch verantwortungsbewusst einstehen. Dabei kann man es natürlich nicht immer allen recht machen. Aber Verantwortung zeichnet sich ja auch durch den Mut aus, voranzugehen und die Möglichkeit einer Fehlentscheidung bewusst in Kauf zu nehmen. Während meines Traineeships habe ich viele Frauen und Männer kennengelernt, die im Kleinen wie im Großen Verantwortung übernehmen. Das hat mich zutiefst beeindruckt.

Was waren Herausforderungen für dich persönlich?

Auch wenn sich die Mitgliedsstaaten mit ihrem Beitritt grundsätzlich auf gemeinsame Werte und Ziele einigen, können die Interessen in konkreten Fällen auseinandergehen. Ich persönlich musste mich dieser Herausforderung während der Organisation einer Ausschusssitzung über die Wirtschaftspolitik eines bestimmten Landes stellen. Einen abteilungsübergreifenden Konsens über eine schwierige Thematik herzustellen und gleichzeitig die Interessen der Mitgliedsstaaten zu berücksichtigen, verlangt starke kommunikative Fähigkeiten, Verhandlungsgeschick, Organisationstalent und diplomatischen Takt.

Welche Inhalte aus deinem Studium haben dir weitergeholfen?

In meinem ISM-Studium habe ich Fähigkeiten und Kenntnisse erlangt, von denen ich bis heute profitiere, zum Beispiel im Projektmanagement, der Volkswirtschaftslehre und in der Öffentlichkeitsarbeit. Ich konnte außerdem vielfältige Auslandserfahrungen in Hongkong, Boston und Shanghai sammeln, die mich optimal auf einen Beruf in einem internationalen Umfeld vorbereitet haben.

Was ist deine Lieblingserinnerung aus dem Studium?

Ich erinnere mich besonders gerne an eine Aufführung der Weihnachtsgeschichte im Hospiz Bärenherz, die meine Kommilitonen und ich organisiert hatten. Gleichzeitig habe ich während meines Studiums an der ISM enge Freundschaften schließen können. Dankbar bin ich den Hochschullehrern und Mitarbeitern für ihr wertvolles Feedback und die großzügige Unterstützung, auch lange nach dem Studium.

Wo geht es in Zukunft für dich hin?

Meine Zeit bei der NATO war sowohl für meine berufliche als auch persönliche Entwicklung enorm bereichernd. Heute bin ich mehr denn je überzeugt davon, dass der Einsatz für die Freiheit über alle geografischen, ethnischen, kulturellen und konfessionellen Grenzen hinweg verbindet. Daher möchte ich mich zukünftig auch wieder mehr gesellschaftlich engagieren, am besten hier vor Ort in Deutschland.

 

Interview: Laura Krause