Tobias Neveling

Das Team im Fokus: ISM-Absolvent gibt Gründertipps aus Investorensicht

Jede Woche neue Teams, neue Ideen, neue Start-ups – für ISM-Absolvent Tobias Neveling gehört der Gründergeist zum Beruf. Nachdem er in verschiedenen Start-ups gearbeitet und selbst ein Unternehmen mit aufgebaut hat, ist er auf die andere Seite des Tisches gewechselt. Als Chief Investment Officer beim Venture-Capital-Unternehmen Venista Ventures unterstützt er Start-ups, die noch in den Kinderschuhen stecken. Was dabei besonders wichtig ist und worauf sich Gründer gerade in der Anfangsphase konzentrieren sollten, hat er uns im Interview erzählt.

Tobias, mit Venista Ventures unterstützt ihr Start-ups, die noch ganz am Anfang stehen. Was ist dabei neben der Finanzierung am wichtigsten?

Im Fokus steht immer das Team und die Frage, wie wir in der aktuellen Situation am besten unterstützen können. Das unterscheidet sich natürlich immer von Team zu Team – mal bist du Mutter oder Vater, mal Schwester oder Bruder. Wir versuchen hier ein Umfeld zu schaffen, in dem das Team das Produkt bestmöglich nach vorne bringen kann.

Wie lassen sich Start-ups in der Frühphase überhaupt einschätzen? Womit kann man dich besonders überzeugen?

Auf Basis blanker Zahlen kann man da tatsächlich wenig beurteilen. Auch das Produkt im aktuellen Stadium ist für uns kein unmittelbares Entscheidungskriterium, weil es in drei Monaten schon zwei Entwicklungsstufen weiter sein kann. Für uns sind zwei Dinge wichtig: Team und Marktwachstum. Das Team, weil das die Menschen sind, die gemeinsam die Idee zum Leben erwecken. Und das Marktwachstum, weil wir natürlich nach Ideen mit Potenzial suchen.

Was zieht dagegen gar nicht?

Die E-Mail-Headline „Meet the next unicorn“. Die Mails landen bei mir meist im Papierkorb.

Welche Rolle spielt die Branche, in der sich die Gründer ansiedeln wollen?

Ich denke nicht unbedingt festgelegt auf einzelne Branchen, sondern suche nach Teams, die übergreifende Lösungen entwickeln. Super nischige Themen bieten oft nicht genug Return-Potenzial. Grundsätzlich sollten wir uns in Deutschland aber darauf besinnen, wo unsere Stärken liegen. Das deutsche Start-up Arculus erfindet beispielsweise gerade mit KI-Software und autonomen Robotern die Fließbandarbeit im Automobilbereich neu.

Was ist ein verbreiteter Irrglaube in der Anfangsphase?

„Ich entwickle erstmal mein Produkt und schaue dann, was der Markt sagt“ – startest du als Gründer so, hast du schon verloren. Wichtig ist, sich vorher schon Feedback einzuholen und das in die Entwicklung einzubringen. Darüber hinaus ist auch immer wieder wichtig: „Better done than perfect“. Gründer dürfen sich nicht im Detail verlieren, sondern sollten häufig neue Versionen ihres Produktes am Markt testen – nur so kannst du dich weiterentwickeln.

Wenn du angehenden Gründern genau einen Rat mit auf den Weg geben könntest, welcher wäre das?

20. Das ist die Anzahl an Interviews, die Gründer führen sollten, bevor sie starten. Nur so bekommt man ein Gefühl für den Markt und wo die tatsächlichen Probleme liegen. Nur so entwickle ich ein Produkt, kein Feature.

Die Bewerbungsphase für die ISM Start-up Competition befindet sich im Endspurt. Warum würdest du frischgebackene Unternehmer motivieren, an solchen Wettbewerben teilzunehmen?

Man muss sicherlich nicht durch die gesamte Gründerwettbewerb-Landschaft streifen und überall teilnehmen, aber auch hier gilt: Wenn man selektiv an Events teilnimmt, bekommt man nochmal neues, anderes Feedback zum eigenen Projekt. Das ist meist mehr wert als jede Prämie.

 

Ihr seid angehende Gründer? Unterstützung findet ihr beim Entrepreneurship Institute @ ISM!

 

Interview: Laura Krause