Moritz Flebbe

Bereit für Verantwortung: Moritz begleitet das Familienunternehmen durch die Corona-Krise

Moritz Flebbe ist mit der Balland Messe-Vertriebs GmbH buchstäblich groß geworden. Sein Vater leitet das Familienunternehmen, das internationale Messeveranstalter in Deutschland vertritt, seit über 30 Jahren. Moritz selbst ist als Werkstudent im Bachelor-Studium in das Unternehmen eingestiegen. Heute betreut er rund 20 internationale Messen in Städten wie Shanghai, Dubai oder Moskau und optimiert die Prozesse im Unternehmen, zum Beispiel hin zur Digitalisierung. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie es ist, in jungen Jahren Verantwortung zu übernehmen und wie hart die Corona-Pandemie das Unternehmen getroffen hat.

 

  1. War für Sie immer klar, dass Sie ins Familienunternehmen einsteigen wollen?

Das Unternehmen meines Vaters ist schon in meiner Kindheit sehr präsent gewesen. Während meines Bachelor-Studiums habe ich dann als Werkstudent im Unternehmen gearbeitet und es so besser kennengelernt. Ich habe den Einstieg ins Familienunternehmen als Chance betrachtet, die so nicht viele andere haben. Außerdem kann ich das Unternehmen mitgestalten, obwohl ich noch jung bin. Zweifel gab es eher nicht.

 

  1. Was macht die generationenübergreifende Zusammenarbeit besonders wertvoll?

Mit 69 Jahren gehört mein Vater schon eher zur älteren Generation. Mit 26 Jahren fallen mir die digitalen Themen leichter. Hier überlässt mir mein Vater die Führung im Unternehmen und vertraut mir. Mir gefällt besonders, dass ich schon früh Verantwortung trage und viel mitgestalten kann. Nichtsdestotrotz hat mein Vater mit über 30 Jahren als Geschäftsführer viel mehr Erfahrung und kann mir noch einiges beibringen. Den Erfahrungsaustausch betrachte ich als besonders wertvoll.

 

  1. Andersherum: Wo liegen die größten Herausforderungen?

Neue Strukturen, die ich eingeführt habe, müssen auch von meinem Vater und Mitarbeitern umgesetzt werden. Das bricht dann Verhaltensmuster auf, die bisher gut funktionierten. Das würde ich als größte Herausforderung beschreiben. Manche Mitarbeiter nehmen die neuen Prozesse besser an als andere.

 

  1. Das Messegeschäft ist von den Corona-Auswirkungen besonders hart getroffen. Wie haben Sie das Jahr erlebt?

Balland vertritt internationale Messeveranstalter in Deutschland und ist für den Vertrieb und den Kontakt zu Ministerien, Verbänden und IHK’s verantwortlich. Der Vertrieb ist weiterhin möglich, nur können kaum Messen durchgeführt werden. Viele unserer Messen finden in Asien statt und wenn weiterhin Reisebeschränkungen herrschen, dann investiert man viel Arbeit in die Vorbereitung der Messen, ohne einen finanziellen Erfolg zu erzielen. Es handelt sich hierbei um politische Entscheidungen, auf die man selbst keinen Einfluss hat. Zurzeit fokussiert sich das Unternehmen darauf Kosten zu sparen. Prioritäten werden etwa auf digitale B2B-Plattformen gesetzt, wobei die den verlorenen Umsatz nicht ausgleichen können. Im Jahr 2020 rechnen wir mit 75 % weniger Umsatz gegenüber dem Jahr 2019.

 

  1. Was hat diese Zeit für langfristige Auswirkungen?

Ich denke, Messen werden in Zukunft als hybride Veranstaltungen abgehalten werden. Die Verschmelzung der analogen Messe mit Face-to-Face Meetings wird durch digitale Angebote ergänzt. Hygienekonzepte werden einen dauerhaften hohen Stellenwert beibehalten.

 

  1. Können Sie aus der Zeit vielleicht auch etwas Positives ziehen?

Die Corona-Pandemie hat unser Geschäftsmodell sehr ins Wanken gebracht. Daher ist es sehr schwer, in der Krise etwas Positives zu sehen. Nichtsdestotrotz konnten wir durch die Krise auch eine noch stärkere Verbindung mit wichtigen Key Playern aufbauen. Auch die stark voranschreitende Digitalisierung der Messe und auch unserer Prozesse sind positive Faktoren.