Tim Preisenhammer

Teil der grünen Bewegung: ISM-Absolvent macht Nachhaltigkeit zum Beruf

Schon in seiner ISM-Zeit hat Tim Preisenhammer über Nachhaltigkeit diskutiert. Damals mit seinen Kommilitonen, heute mit seinen Kunden. Denn der ISM-Absolvent hat Sustainability zu seinem Job gemacht und arbeitet nach Stationen in London, Peking und Hong Kong nun in New York für eine kalifornische Firma, die sich auf Nachhaltigkeit im Gebäudemanagement spezialisiert hat. Mit uns hat er über die Bedeutung von Nachhaltigkeit für sich, seinen Job und die Gesellschaft gesprochen.

Tim, du hast dich ganz bewusst für die Arbeit im Bereich Sustainability entschieden – obwohl dir davon abgeraten wurde. Woher kommt deine Leidenschaft für das Thema?

Kurzum kann man sagen, dass ich durchs Streiten zur Nachhaltigkeit gekommen bin. Ich habe schon immer sehr gerne mit Leuten debattiert und als ich an die ISM kam, waren Corporate Social Responsibility und Sustainability noch Randthemen, die viele Kommilitonen als nicht wichtig empfanden. Für mich war das ein gefundenes Fressen, um kontrovers zu diskutieren. In dem Themenfeld gab es noch neue Wahrheiten zu entdecken, das hat mich inspiriert. Und ich habe erkannt, dass Nachhaltigkeit ein Wachstumsthema ist. Die Katastrophe in Fukushima passierte in meinem ersten Semester an der ISM und Deutschland plante den Atomausstieg. Auf einmal sprach jeder von Nachhaltigkeit und ich wollte ein Teil dieser Bewegung sein.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für dich persönlich?

Unser Planet hat Systeme, die das Leben ermöglichen. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass wir diese Systeme nicht langfristig zerstören. Viele verbinden mit dem Thema das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Für mich geht es schlicht um das Überleben der Menschheit.

Was sind dabei aus deiner Sicht die größten Herausforderungen?

Hier gibt es gute Nachrichten. Wir haben in den letzten Jahren viel gelernt. Wir kennen sowohl die politischen Werkzeuge wie CO2-Steuern als auch die technologischen Mittel wie Solarenergie und Batterien, um unsere Gesellschaft nachhaltig zu gestalten. Millennials sind bereits komplett auf Nachhaltigkeit eingestimmt und so werden es auch ihre Kinder sein. Wir müssen nur noch alle Stränge zusammenführen. Das ist in der Praxis oft nicht einfach. Dabei gibt es, glaube ich, nicht ein Problem, sondern viele verschiedene. In meiner Industrie müssen wir zum Beispiel einen besseren Weg finden, den Kunden zu erklären, was Nachhaltigkeit mit ihren Investments zu tun hat. Dabei experimentieren wir mit verschiedenen Botschaften, scheitern und versuchen es nochmal.

Hilft dir dein ISM-Studium dabei weiter?

Für die vielen Vertragsverhandlungen haben mir Kurse wie Negotiations und Vertragsrecht eine sehr gute Basis gegeben, auf der ich schnell aufbauen kann. Außerdem sind meine Excel-Skills nachhaltig gut durch die ISM. Bis heute hilft mir auch besonders das Netzwerk. Mein bester Freund ist auch ein ehemaliger ISMler und diese tiefen Verbindungen helfen mir, wenn ich mal einen schlechten Tag habe.

Du hast durch deine Karriere schon in ganz unterschiedlichen Ländern gelebt und gearbeitet. Wie unterscheidet sich der Blick auf Sustainability über Ländergrenzen hinweg?

Nachhaltigkeit wird mittlerweile ähnlich verstanden, die Unterschiede liegen in den Details. Beispiel nachhaltige Städte: Deutschland versteht darunter eigentlich die nachhaltige Erneuerung des derzeitigen Gebäudebestandes, China dagegen sieht darin den Neubau von Städten nach nachhaltigen Konzepten. Dieser Unterschied ist natürlich historisch bedingt. Deutschland hat viele Gebäude aus der Nachkriegszeit, Chinas Großstädte werden gerade erst gebaut. Auch in den USA sieht mittlerweile ein großer Teil der Bevölkerung Nachhaltigkeit als wichtiges Thema. Anders als in Deutschland hofft man aber hier, dass man sich aus seinen Problemen „heraus erfinden“ kann – dass man also seinen Lebensstil nicht ändern muss und lieber auf Technologien setzt, die die Probleme einfach lösen. In Deutschland gibt es mehr Sensibilität dafür, dass sich auch das eigene Verhalten ändern muss.

Internationalität gehörte für dich schon im Studium fest dazu. Was war für dich besonders prägend?

Ich war Teil der zweiten Generation des Model United Nations der ISM und bin mit einem Team von inspirierenden Kommilitonen nach New York geflogen. Das hat viel Spaß gemacht und ich habe damals in mein Tagebuch geschrieben, dass ich hier einmal leben möchte. Voilà.

Welche drei Tipps würdest du aktuellen Studierenden mitgeben?

Nehmt Euch viel Zeit, tolle Verbindungen aufzubauen und pflegt sie. Dranbleiben schlägt oft Intelligenz. Immer bewerben, auch wenn es noch so weit hergeholt klingt.

 

Für alle, die den Wirtschaftswandel mitgestalten und Nachhaltigkeit in Unternehmen vorantreiben wollen, bietet die ISM ab Herbst 2021 mit dem M.A. Sustainability & Business Transformation den passenden Studiengang an.

 

Interview: Laura Krause