Think outside the bos

Machen, scheitern, lernen – Worauf es in Studium und Job ankommt

Dafür zu sorgen, dass Theorie und Praxis zusammenkommen, ist eine der Aufgaben des Kuratoriums der ISM. Zur Expertenrunde gehört auch Yukiko Elisabeth Kobayashi aus Hamburg. Sie verfügt nicht nur über 20 Jahre internationale Führungs- und Beratungserfahrung, sondern ist dort vernetzt, wo innovative Berufsfelder entstehen. Mit der Kombination aus HR-Erfahrung, Internationalität und Affinität zum Digitalen passt sie genau zum Profil der ISM. Wir wollten wissen, was sie über alte und neue Jobs und den Wandel im Personalmanagement denkt.

 

Mit Blick auf die Studierenden von heute: Welche Fähigkeiten und Eigenschaften haben aus Ihrer Sicht besonders viel Gewicht?

Yukiko Elisabeth KobayashiDie Welt ist in ständiger, sich beschleunigender Veränderung begriffen – viele Studierende werden nach Abschluss ihres Studiums vermutlich mehrere Berufe sequenziell oder auch parallel ausüben. Hilfreich ist das Mindset von Designern und Gründern:

• sich auf einen „ongoing process“ einstellen, denn Transformationen sind Alltag, sie hören nicht auf
• neugierig sein und bleiben
• Neues ausprobieren, Fehler in Kauf nehmen, daraus lernen
• Probleme „re-framen“ und ins Tun kommen
• radikale Kollaboration – andere um Hilfe bitten, sich klar sein, dass die wirklich guten Ideen und Lösungen nur im Austausch mit anderen entstehen

Und im Bereich der Fähigkeiten ist es sicher wichtig zu wissen, wie ich Ideen generiere, Prototypen entwickle und mit „minimum viable products“ arbeite. Darüber hinaus ist es hilfreich, in mindestens einer Fachlichkeit gut ausgebildet und kompetent zu sein. Digitalisierung und KI spielen natürlich eine große Rolle, aber auch High- und Health-Tech. Last but not least sollte man „international geländegängig” sein und in multinationalen Teams und Kontexten gut und bestenfalls auch gern arbeiten können. Das bedeutet ein hohes Maß an interkultureller Awareness und Kompetenz.

 

Einen Schritt weiter: Wo sehen Sie neben den klassischen Berufsfeldern besonders viel Potenzial?

Einerseits bei den Berufsbildern, die gerade im Kontext von KI und Digitalisierung entstehen – da auch insbesondere Berufsbilder, die KI mit Biologie, Pharmazie oder Medizin koppeln, aber auch KI mit Humanwissenschaften verbinden. Nicht zuletzt KI, die als Mittel zum Zweck hilft, die großen Probleme der Gegenwart zu lösen wie den Klimawandel, soziale Ungleichheit oder Pandemien.

Potenzial sehe ich auch auf der „Kehrseite“ von KI und Digitalisierung, also bei Berufen, bei denen es genau um die menschlichen Fähigkeiten geht, die KI nicht ersetzen kann: Empathie und Kreativität. Und schließlich wird es immer mehr Berufsbilder geben, die Transformationen ermöglichen, begleiten oder erleichtern.

 

Neu im Studienprogramm der ISM ist der Master in Human Resources Management & Digital Transformation, der zukunftsorientierte Schlüsselkompetenzen und Know-how zu Veränderungsprozessen verbindet. Sie haben viel HR-Erfahrung im Konzern gesammelt. Wo sehen Sie die großen Herausforderungen der HR-Funktion und worauf kommt es jetzt in diesem Berufsfeld an?

Zunächst einmal muss HR im Senior Management Team vertreten sein – Menschen sind nun einmal der Kern eines Unternehmens. Ich halte grundsätzlich wenig davon, wenn HR an den CFO berichtet oder an anderer Stelle nachgeordnet zum „Erfüllungsgehilfen“ wird. Die Business-Strategie muss die „menschliche Perspektive“ von vorneherein beinhalten – dann wird die Strategie und damit auch das Business erfolgreich sein.

Das gilt auch für jedwede digitale Transformation: Welches Mindset, welche Schlüsselkompetenzen, welche Art von Kollaboration braucht ein Unternehmen, um die Transformation erfolgreich umzusetzen? In diesem Zusammenhang: HR muss auch mit dafür sorgen, dass die richtigen Role Models in Schlüsselpositionen gelangen – und das beginnend an der Spitze der Organisation. Menschen, die die Zukunft glaubwürdig verkörpern, die Zukunft in Haltung und Verhalten erlebbar machen. Und HR muss das Business, die Produkte, die Märkte, etc. zutiefst verstehen – sonst kann es keine für das Unternehmen sinnvolle Rolle einnehmen.

 

Ein HR-Thema, das heute sehr populär ist, ist Diversity. Welche Erfahrung haben Sie persönlich mit bunt zusammengesetzten Teams gemacht?

Sehr, sehr gute Erfahrungen! Insbesondere Senior Management Teams, die bewusst divers zusammengesetzt sind, können die vielfältigen Perspektiven von internationalen Märkten, aber auch Mitarbeiterschaften besser nachvollziehen, sind innovativer, kommen zu besseren Arbeitsergebnissen und haben mehr Spaß in der Zusammenarbeit.

 

Heute sind Sie viel im Start-up-Umfeld unterwegs. Was schätzen Sie daran?

Ich liebe – sehr pauschal und über Bausch und Bogen gesagt – die Schnelligkeit, das Unkomplizierte, die Kreativität, den Teamgeist, die Offenheit und die Fehlerkultur – aber natürlich gibt es auch solche und solche Start-ups. Besonders bin ich immer wieder von den Start-ups beeindruckt, die versuchen, profitable Geschäftsmodelle zu etablieren, die auf die Nachhaltigkeitsziele einzahlen. Eine ganz besondere, zukunftweisende Szene.