Johannes Koldehoff

Die Top-Skills für den Job: Einblicke vom HR-Berater

Johannes Koldehoff hat 2019 seinen Master in Organizational Psychology & Human Resources Management an der ISM abgeschlossen. Heute arbeitet er als Consultant People Advisory Services bei EY und begleitet Unternehmen in der Transformation ihrer HR-Prozesse. Dabei sieht er jeden Tag, worauf es in der Arbeitswelt ankommt, und muss auch seine eigenen Fähigkeiten stets aufs nächste Level bringen. Wir haben bei ihm nachgefragt, welche Kompetenzen in Zukunft gefragt sind und wie man sie sich aneignet.

Johannes, du bekommst durch deinen Job Einblicke in die unterschiedlichsten Unternehmen. Welche Aspekte sind in der Arbeitswelt gerade besonders wichtig?

Agiles Arbeiten und digitale Interaktion sind zwei wichtige Stichworte. Außerdem steht der Nutzer immer mehr im Fokus, sodass Produkte intuitiv anwendbar und für das bestmögliche Erlebnis entworfen werden müssen. Auf der anderen Seite werden Aspekte der Nachhaltigkeit immer wichtiger, dafür sollte man ein Bewusstsein entwickeln. Durch Corona wird auch stärker denn je die Relevanz der Wissenschaft deutlich: Welche Erfahrungen lassen sich aus der Wissenschaft in die Praxis überführen und wie schaffen wir es, Wissenschaft und Praxis enger zusammenzubringen?

Welche Fähigkeiten zählen in deinem eigenen Beruf? Was meinst du, wie sich der Beraterjob in Zukunft verändert?

Grundsätzlich kommt es auf eine analytische Denkweise, ein lösungsorientiertes Vorgehen im Team, Kommunikationsfähigkeit und Lernbereitschaft an. Corona hat dazu geführt, dass bei uns sämtliche Meetings und Trainings digital stattfinden. Durch zahlreiche digitale Tools gelingt es uns in Workshops, die Aufmerksamkeit der Kunden aufrechtzuerhalten und die Bedürfnisse jedes Einzelnen aufzunehmen. Das erfordert aber mehr Feingefühl, um eine Beziehung zu den Kunden aufzubauen. Es bleibt abzuwarten, wie stark sich das berufliche Reisen in der Beratungswelt verändern wird. Sicherlich werden auch zukünftig digitale Kollaborationsformen stärker genutzt. Dennoch sehe ich die direkte Kundeninteraktion auch in Zukunft als festen Bestandteil des Arbeitsalltags.
 

“Wir erleben doch täglich, dass die Halbwertszeit von Wissen rapide abnimmt. Für mich als Mitarbeiter gilt daher, mir regelmäßig Zeit zu schaffen für die fachliche und persönliche Weiterbildung.”

 
Hast du bestimmte Fähigkeiten vor deinem Berufseinstieg über- oder unterschätzt?

Wir leben durch die großen Internetplattformen wie Amazon, LinkedIn, Instagram und Co. in einer sehr stark auf Experience gepolten Welt. Diese Customer Experience, die jeder Mensch in seinem privaten Umfeld täglich erlebt, wird schnell auch in Erwartungen im Arbeitskontext umgewandelt. Für zahlreiche HR-Themen geht es somit nicht mehr um die HR-Arbeit an sich, sondern auch darum, wie ich diese digital gestalten kann und dem Kunden Nutzererlebnisse biete, die er in seinem Privatleben häufig bereits vorfindet. Digitale Kompetenzen und Marketing-Fähigkeiten spielen also eine größere Rolle als man denkt. Ich habe auch gelernt, wie wichtig es ist, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, Ideen zu entwickeln und sich dazu regelmäßig Feedback einzuholen. Es ist weder möglich noch sinnvoll, eine Fragestellung von A-Z zu durchzudenken und dann einen Plan zu entwickeln.

Flexibilität und Lernbereitschaft sind weit oben auf der Arbeitgeber-Wunschliste für neue Beschäftigte. Glaubst du, dass man solche Eigenschaften lernen kann?

Ich denke definitiv, dass jeder sich in diesen Feldern persönlich weiterentwickeln kann. Wir erleben doch täglich, dass die Halbwertszeit von Wissen rapide abnimmt. Für mich als Mitarbeiter gilt daher, mir regelmäßig Zeit zu schaffen für die fachliche und persönliche Weiterbildung. Für mich sind gerade Flexibilität und Lernbereitschaft zwei zentrale Punkte, in welchen der Mitarbeiter, aber auch das Unternehmen gefragt ist. Idealerweise treffen sich beide in der Mitte. Als Unternehmen bin ich gefordert, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen, damit mein Mitarbeiter überhaupt flexibel agieren kann, starre Strukturen hemmen da eher. Zudem gilt es stets, meinem Mitarbeiter individuelle Lernangebote zu machen, um seine Lernbereitschaft auch zu triggern.

Hast du Tipps für aktuelle Studierende, wie sie ihre Soft Skills weiter ausbauen können?

Ich glaube, dass es zunächst wichtig ist, sich seiner Soft Skills bewusst zu werden. Womit kann ich wirklich überzeugen und wo habe ich noch Entwicklungspotenziale? Im zweiten Schritt sollte man diese Selbsteinschätzung von unterschiedlichen Personen wie Freunden, Professoren oder Kollegen validieren lassen. Häufig entdeckt man dadurch ganz neue Seiten an sich, die einem überhaupt nicht bewusst waren, für andere aber einen echten Mehrwert darstellen.

 

Interview: Laura Krause