Nachhaltigkeit als Herausforderung, Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell

Prof. Dr. André Reichel
Nachhaltigkeitsforscher Prof. Dr. André Reichel

Nachhaltigkeit ist der Mega-Trend des 21. Jahrhunderts: Klimawandel, Dürren und Überschwemmungen, Verlust der Artenvielfalt, Migration, globale Ungerechtigkeit – alles Themen, die miteinander verwoben sind. Und Auswirkungen auf das Wirtschaften haben. Das Schlagwort lautet „Dekarbonisierung“, also der Ausstieg aus der Kohlenstoffwirtschaft, der Reduktion klimaschädlicher Treibhausgase in der gesamten Lieferkette auf Null. Spätestens bis 2050, wenn das Ziel der Begrenzung des weltweiten Temperaturanstiegs auf deutlich unter zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts eingehalten werden soll. Jenseits dieser Schwelle drohen unkontrollierbare Kipp-Punkte des Weltklimas, bei deren Überschreiten sich unser Leben und auch unsere wirtschaftlichen Tätigkeiten dramatisch verändern würden. Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit schließen sich deshalb nicht aus, sondern müssen zusammen gedacht werden. So eröffnen sich auch Räume für ganz neue Geschäftsmodelle.

Zwei Konzepte spielen dabei eine herausgehobene Rolle: Konsistenz und Suffizienz. Mit Konsistenz ist die Verträglichkeit mit und Orientierung des Wirtschaftens an natürlichen Kreisläufen gemeint, also die Circular Economy. Suffizienz bedeutet die Reduktion materiellen Konsums durch neue Produkte und Leistungen z.B. im Bereich Sharing oder der Peer-to-Peer Production. Zusammen bilden diese Konzepte den Kernbereich neuer Geschäftsmodelle der Nachhaltigkeit.

Vier grundlegende Strategien solcher Geschäftsmodelle können Unternehmen verfolgen:

  • Cycling: die Kreislaufführung von Material und Energie durch Wieder- und Weiterverwendung, durch Re-use und Re-Manufacturing.
  • Extending: die Verlängerung von Produktlebenszyklen durch modulares und zeitloses Design sowie durch Reparaturfähigkeit und Reparaturdienstleistungen.
  • Intensifying: die Nutzungsintensivierung von Produkten durch Sharing-Lösungen, bei denen Eigentum durch Zugang ersetzt wird und z. B. ein Auto vom Stehzeug (es steht beinahe 23 Stunden am Tag ungenutzt) zum Fahrzeug wird.
  • Dematerialising: die Entstofflichung von Produkten zu Dienstleistungen im Rahmen von Ansätzen wie XaaS (anything as a service).

 

Solche Themen und mehr sind übrigens zentraler Bestandteil des neuen Master-Studiengangs  M.A. Sustainability & Business Transformation, der an der ISM ab Herbst 2021 in Dortmund, Stuttgart und Berlin angeboten wird. Ich freue mich schon sehr darauf, mich mit den Studierenden auszutauschen, zu diskutieren und nachhaltige Konzepte zu entwickeln.

 

Autor: Prof. Dr. André Reichel